Herr Kaplan, welche Bedeutung hat der deutsche Markt für einen Weltkonzern wie Mazda?

Kaplan: Deutschland ist die Heimat des Automobils – schon alleine deshalb ist der Markt wichtig. Aber auch was das Absatzvolumen angeht, ist Deutschland wichtig. In Europa sind wir mit Abstand die Nummer eins für Mazda, weltweit liegen wir an sechster Stelle. Wir sind auf jeden Fall auch aus globaler Sicht ein wichtiger Markt für Mazda: Hier wurden im Kalenderjahr 2015 elf Prozent mehr Neuwagen verkauft als im Vorjahreszeitraum.

Wie unterscheidet sich der deutsche Markt für Mazda vom Weltmarkt? Was ist hier speziell?

Kaplan: Es gibt eine starke Präsenz der heimischen Hersteller – die gibt es zwar in anderen Märkten auch, aber was Deutschland von allen anderen signifikanten Märkten unterscheidet, ist der große Anteil der Premiumhersteller. Je nachdem, wen man dazuzählt, kommt man auf bis zu 30 Prozent Marktanteil für Premiumhersteller, das findet man außerhalb Deutschlands weltweit nirgends. Die Kunden sind deshalb noch mal eine Spur anspruchsvoller und fordernder als andernorts.

Die Zahlen bei Mazda Deutschland sind blendend, die Verkaufszahlen steigen. Ist Wachstum alles?

Kaplan: Es geht darum, die richtige Balance zu finden und dann auch zu halten. Fakt ist: Wir sind in den vergangenen Jahren sehr deutlich gewachsen. Uns gelingt seit der Händlernetz-Restrukturierung 2012 jedes Jahr signifikantes Wachstum. Dieses Volumenwachstum ist wichtig, denn nur Hersteller, die Fahrzeuge verkaufen, können auch einen entsprechenden Fahrzeugbestand aufbauen und für eine ordentliche Auslastung unserer Händler sorgen. Aber: Es darf nie zulasten der Qualität des Produkts oder bei Beratung, Verkauf und Service gehen.

Momentan sind Sie die Nummer 3 der japanischen Importeure. Welche Ziele haben Sie diesbezüglich?

Kaplan: Es ist für uns kein Ziel an und für sich, andere Importeure bei Verkaufszahlen zu schlagen. Jeder muss selber wissen, wie er erfolgreich ist und im deutschen Markt bestehen will. Wir wollen 2016 zwei Prozent Marktanteil erreichen, das sollen also rund 64.000 Neufahrzeuge sein; dieses Ziel haben wir im Januar und Februar dieses Jahres schon übertroffen. Letztlich geht es darum, dass wir die Potenziale nutzen, aber bei Mazda wird es kein Volumenwachstum um jeden Preis geben.

Die amtlichen Zahlen zeigen: Derzeit sind vor allem SUVs mit Luxus-Ausstattung gefragt. Bleibt das so?

Kaplan: Der SUV-Trend ist noch nicht zu Ende. Nehmen wir unseren Bestseller CX-5: Wir haben ihn 2012 auf dem deutschen Markt eingeführt und seither ist er das beliebteste Modell. Auch beim „kleinen Bruder“ CX-3 haben wir seit der Markteinführung 2015 gute Rückmeldungen von den Privatkunden, die etwa 70 Prozent der Zulassungen ausmachen. SUVs sind vor allem mit hochwertiger Ausstattung gefragt. Beim CX-5 gehen knapp 60 Prozent mit der höchsten Variante Sports-Line an die Kunden.

Noch vor fünf Jahren wurden Verbrennungsmotoren quasi für tot erklärt – wo sehen Sie die Auto-Zukunft in Sachen Antrieb?

Kaplan: Ich denke, dass es erst einmal darum geht, dass individuelle Mobilität für die breite Masse der Bevölkerung bezahlbar bleibt. Aus diesem Grund haben wir bei Mazda den Schwerpunkt auf die Effizienzsteigerung von Verbrennungsmotoren gelegt. Das hat mittelfristig für uns oberste Priorität. Wir haben mit der heutigen SKYACTIV Motorengeneration schon bewiesen, dass das möglich ist, nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch unter realen Bedingungen. Und insbesondere unser SKYACTIV-G Benziner wird in den nächsten Jahren durch die Einführung der HCCI Technik nochmals signifikant sparsamer. Wir haben zwar auch die alternativen Antriebe im Blick, aber wir wollen uns da nicht verzetteln.

Was wird sich nach sieben Jahren von Josef A. Schmid an der Spitze unter Ihrer Führung ändern?

Kaplan: Zunächst einmal stehe ich für Kontinuität. Ich denke wir haben mit Mazda und den Mazda Händlern in Deutschland in den vergangenen Jahren viele und wichtige Fortschritte gemacht. Wir haben ein motiviertes Team und werden den eingeschlagenen Weg gemeinsam und kontinuierlich weitergehen. Das heißt konkret: Wir wollen gemeinsam mit den Händlern möglichst viele Kunden von den Mazda Produkten begeistern und überzeugen.

Sie waren bislang unter anderem für die Neuaufstellung des Händlernetzes zuständig. Wozu war das rückblickend nötig?

Kaplan: Wir hatten bis 2012 ein zweistufiges Vertriebskonzept, mit Zwischenhändlern zwischen uns und den Autohäusern. Unser Ziel war, dass wir mit der Einführung des einstufigen Netzes wieder die direkte Zusammenarbeit mit allen unseren Händlern ermöglichen, um in unserem Kerngeschäft, dem Verkauf und Service, noch besser zu werden. Wir haben die Zahl der Händler zudem reduziert, um die Arbeit der übrigen Vertriebsstützpunkte professioneller und profitabler gestalten zu können.

Wie wichtig sind für Sie Zusatz-Angebote in den Autohäusern wie etwa die Autovermietung „Mazda Mobil“?

Kaplan: Das ist natürlich wichtig. „Mazda Mobil“ hat sich in den vergangenen fünf Jahren seit seinem Bestehen zu einer richtigen Autovermietmarke unserer Händler entwickelt. Die Kooperation mit der CCUnirent läuft hervorragend, durch diesen Partner erhalten wir die Infrastruktur für die Vermietung. Unser größtes Ziel ist es, die Kunden mobil zu halten. Ob mit Verkäufen, Leasing, Kurzzeit-Mieten über „Mazda Mobil“ – und auch über unser ebenfalls mit CCUnirent entwickeltes Langzeitmietangebot „Mazda Mobil Profi-Charter“.

Neben der Fahrzeug-Qualität ist für die Kundenzufriedenheit der Service entscheidend. Was bietet Mazda hier Besonderes?

Kaplan: Wir suchen für jeden individuelle Lösungen. Außerdem können Kunden bei uns Flexibilität, Professionalität und Zuverlässigkeit im Handel und beim Service erwarten.