IAA 2015: Hybrid ist Trumpf

Die IAA 2015 hat die Erwartungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) mehr als erfüllt. Zwischen dem 17. und 27. September strömten laut Messebilanz fast 932.000 Besucher in die Hallen, wo 1100 Aussteller aus 39 Ländern genau 219 Weltpremieren zeigten; 60 mehr als vor zwei Jahren. Das war der beste Zuschauerzuspruch seit acht Jahren. „Die IAA unterstreicht damit ihre Position als weltweit wichtigste Leitmesse für Mobilität“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Überragende Themen diesmal waren die Vernetzung und Digitalisierung der Mobilität, sowie Hybrid-Modelle. Reine Elektroantriebe blieben im Gegensatz zur Auflage 2013 Mangelware. Denn beim Käufer fanden die Stromer längst nicht so viel Anklang wie es sich die Industrie gewünscht hatte. In Deutschland wurden laut Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes in den ersten sieben Monaten dieses Jahres gut 1200 reine Elektroautos von Privatkäufern zugelassen. Das entspricht 0,2 Prozent aller fast 670.000 Privatkundenzulassungen.

Dagegen tut sich jede Menge bei den Hybridantrieben. Der meistverkaufte Antriebszwitter der Welt, der Toyota Prius, kommt in der vierten Modellgeneration. Der Hersteller verspricht gut 20 Jahre nach seinem Marktstart nicht nur ein kleines Facelift, sondern auch, dass der Fortschritt gegenüber der vorhergehenden Modellgeneration noch nie so groß gewesen sei. Der weiterentwickelte Hybridantrieb sorge vor allem auf langen Strecken für weniger Durst. Insgesamt soll der Verbrauch bei 3,5 Litern auf 100 Kilometer liegen. Dank konstruktiver Änderungen soll der Verbrennungsmotor nun einen Wirkungsgrad von über 40 Prozent erreichen – weltweit bester Wert für einen Benzinmotor. Zum geringen Verbrauch trägt auch die Konstruktion selbst bei: Dank Aluminium und Carbon soll der Prius gegenüber seinem Vorgänger um rund 100 Kilogramm abspecken. Die fünftürige Limousine mit rund 150 PS soll es im März 2016 bei den Händlern ab 28.000 Euro geben.

Ebenfalls ans Kabel wird die Neuauflage eines anderen Bestsellers gelegt: die des VW Tiguan. Zumindest in einer auf der IAA gezeigten Hybrid-Studie. Sie ist mit 4,50 Metern im Vergleich zu dem Vorgänger buchstäblich gewachsen. Der Tiguan GTE soll nach Angaben des inzwischen wegen der Abgas-Affäre zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn nur der Anfang sein. Die Studie stehe dafür, „wie wir den Plug-In-Hybrid jetzt konsequent in weitere Klassen und Segmente bringen“. Bis 2020 kündigte er 20 weitere Elektroautos und Plug-In-Hybrid-Modelle an – vom Kleinwagen bis zum nächsten Phaeton und Audi A8. Den Normverbrauch des Tiguan GTE gibt VW – wobei solche Angaben ja immer mit Vorsicht zu genießen sind – mit 1,9 Litern auf 100 Kilometer an. Tatsächlich erhältlich ab Frühjahr 2016 werden die Verbrennervarianten sein: zwischen 1,4 Litern und 2 Litern mit 125 bzw. 220 PS und 1,6 und 2,0 Litern bei den TDI-Modellen (120 und 250 PS). Gegenüber dem Vorgänger verbrauchen die sparsamsten Diesel vier Liter, also 20 Prozent weniger. Zu den Preisen gibt es aus Wolfsburg noch keine Angaben.

In den Reigen der Hybriden reihen sich auch Mercedes und BMW ein mit je fünf entsprechenden Modellen. Die Münchner schicken nach dem reinen Stromer i3 jetzt den allradgetriebenen Familienvan BMW 225xe ins Rennen. Unter dessen Haube spielen ein Elektro- und ein 1,5 Liter Dreizylinder-Ottomotor zusammen. Die Systemleistung des Plug-In-Hybrid-Antriebs beträgt 224 PS. Der durchschnittliche Verbrauch liegt kombiniert bei gut 2 Litern. Er soll rund 38.000 Euro kosten und ab Frühjahr 2016 bei den Händlern stehen. Preislich deutlich darüber liegt der Mercedes S500 mit Plug-In-Hybrid und einer Drei-Liter-Maschine. Er tritt die Nachfolge des S400 aus dem Jahr 2008 an. Laut den Stuttgartern schafft er einen Verbrauch von drei Litern auf 100 km und sprintet von 0 auf 100 in unter sechs Sekunden. Dafür müssen Käufer ab kommendem Jahr dann auch über 100.000 Euro investieren.

Viele neue alte Gesichter gab es bei den klassischen Verbrennungsmotoren. Opel präsentierte in Frankfurt etwa die nächste Generation des Astra. Der ist fünf Zentimeter kürzer, hat dafür aber erheblich an Sicherheitsfeatures zugelegt. So bietet er Frontkamera, Abstandsassistent und serienmäßig ein intelligentes LED-Lichtsystem. „Unsere Ingenieure haben ihn auf dem sprichwörtlichen weißen Blatt Papier entwickelt, entlang dreier entscheidender Prämissen: Effizienz, Vernetzung und Athletik“, verspricht Group-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann. Den neuen Astra gibt es bereits ab Herbst, die Preispalette beginnt bei rund 17.000 Euro für den 1,4-Liter-Benziner mit 100 PS und fünf Türen, für 2016 ist auch noch ein Cabrio angekündigt. Ebenfalls neu in der Kompaktklasse: der Renault Megane der vierten Generation, der Suzuki Baleno, Hyundai i20 active sowie der Levorg von Subaru, Nachfolger des Legacy.

Die Besonderheit bei der IAA 2015 aber war die Rückkehr einer legendären Automarke, des Borgward. Dessen Studie BX7 hat aber so gar nichts gemein mit den eleganten Autos aus dem Bremen der 50er und 60er Jahre. Von dem bulligen SUV will das Unternehmen nach eigenen Angaben mittelfristig weltweit mehr als 500.000 Fahrzeuge absetzen, zunächst in China. Hybrid ist offenbar auch hier Trumpf, denn dem Zweiliter-Turbo-Einspritzer mit 225 PS assistiert ein an der Hinterachse sitzender E-Motor. Die elektrische Reichweite soll bei 55 Kilometern und der Durchschnittsverbrauch bei 2,26 Liter pro 100 Kilometer liegen. Noch sind Preis und Marktstart in Europa nicht bekannt. Experten spekulieren aber mit einem Einstiegspreis von gut 26.000 Euro.

Klar dagegen sind zwei Termine, die sich Autofans schon jetzt merken können. Die nächste IAA findet vom 14. bis 24. September 2017 erneut in Frankfurt statt; schon in einem Jahr lockt in Hannover wieder die 66. IAA Nutzfahrzeuge (22. bis 29. September 2016).

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