Autovermieter auf Kreta – Eine andere Mietwagen-Welt

Warum Gabriele Guennewig Kraniotaki und ihr Mann nicht an Einheimische vermieten und weshalb die Fahrzeuge trotz der Griechenland-Krise gut gebucht sind: In den Sommermonaten kommen Gabriele Guennewig Kraniotaki und ihr Mann Manolis kaum zum Schlafen. Quasi rund um die Uhr vermietet das Ehepaar mit seinen beiden erwachsenen Kindern und 15 Angestellten auf der griechischen Ferieninsel Kreta rund 200 Autos. Das Geschäft mit Mietwagen im südosteuropäischen Urlaubsparadies funktioniert dabei ganz anders als etwa in Deutschland.

Schon als Jurastudentin war Gabriele Guennewig Kraniotaki immer wieder auf Kreta: „Ich habe dort in einem Ferienclub als Animateurin gearbeitet.“ Zu der Liebe für die Insel kam dann irgendwann die Liebe des Lebens – und die junge Frau blieb. 1984 kam ihr dann gemeinsam mit ihrem Mann die Idee, spontan in das Mietwagengeschäft einzusteigen. Auslöser war damals eine Abwertung der Währung, übers Wochenende war das griechische Geld weniger wert, die Inlandspreise aber noch die alten.

„Wir haben damals unsere D-Mark zusammengekratzt und haben acht Autos gekauft“, erinnert sich Guennewig Kraniotaki. 50.000 D-Mark haben sie beide jeweils investiert und ihr Geschäft gegründet. Ausgerichtet war die Autovermietung von Anfang an auf Touristen aus Deutschland, Großbritannien und Holland, erzählt die Firmenchefin: „Die Einheimischen mieten keine Autos – und wenn sie eines mieten wollen, sollte man stutzig werden und es sich als Autovermieter gut überlegen“, sagt sie.

Griechische Hochzeiten mit Schuss

Denn entweder sie planen mit dem Mietwagen Offroad-Touren, für die sie ihr eigenes Auto nicht nehmen wollen, erläutert die Kreta-Kennerin. Oder sie fahren damit zu einer Hochzeit. „Wer schon mal bei einer griechischen Hochzeit war, der weiß, dass die wenigsten Autos ganz zurückkommen.“ Denn zu einer traditionellen griechischen Hochzeitsfeier gehören immer auch Salutschüsse: „Aber nicht nur die Nüchternen schießen – und bei mehrtägigen Feiern trifft es irgendwann die Autos.“

Autovermieter auf Kreta haben ohnehin eine besondere Beziehung zu ihren Fahrzeugen – wie auch die Vermieter im übrigen Griechenland. Leasing oder Kreditkäufe gibt es bei Autos nicht; und wenn, dann zu völlig überteuerten Konditionen. „Das liegt natürlich auch an der wirtschaftlichen Lage des Landes und seinen Konditionen bei den großen Banken“, so Gabriele Guennewig Kraniotaki. Für die mittelständischen Autovermieter heißt das: Sie müssen die Fahrzeuge kaufen und gut pflegen.

Die „Big Four“ – Hertz, Sixt, Europcar sowie Avis – vermieten auf Kreta natürlich auch, die Konzerne können sich natürlich auch dort Leasing-Fahrzeuge organisieren. „Wir verdienen hingegen mit einem Auto erst ab dem dritten oder vierten Jahr Geld“, erläutert Guennewig Kraniotaki. Länger als vier, maximal fünf Jahre könnten die Autos jedoch nicht vermietet werden: „Das würden die Kunden nicht akzeptieren.“ Also befinde man sich immer im Spannungsverhältnis zwischen Kundenservice und Geldverdienen.

Service ist auch auf Kreta das A und O

Was die Kunden bei den vier Branchenriesen nicht bekämen, sei der gute Service. „Oft steht man lange in der Schlange, dann bekommt man seinen Schlüssel ausgehändigt und muss erst einmal im Flughafen-Parkhaus selbst nach seinem Fahrzeug suchen“, sagt die Firmenchefin aus Erfahrung. Bei ihren beiden Portalen autokreta.de und autotravel.gr läuft das anders: „Wir nehmen die Touristen in Empfang, bringen sie zu ihren Fahrzeugen, weisen sie ein – und sind rund um die Uhr erreichbar.“

Das kann in einem Land wie Griechenland viel wert sein. Wer bei seinen Kreta-Rundreisen mit dem Auto liegenbleibt, und sei es nur, weil der Sprit ausgegangen ist, kann nicht mit einem dichten Netz an Pannendiensten oder auch Tankstellen wie in Mitteleuropa rechnen. „Wir liefern die Fahrzeuge auch zu den Kunden aus. In der Hauptsaison nur im Norden der Insel – in der Vor- und Nachsaison auch im Süden“, sagt Guennewig Kraniotaki. Die Kunden goutieren den Service: die meisten kommen wieder.

„Wir haben bis zu 30 Prozent Stammkunden, das ist eine ganze Menge“, sagt die Firmenchefin. Nach einigen Jahren mit dichtem Stationsnetz hat sich das Betreiber-Paar entschieden, es aufzugeben. Um dennoch flächendeckenden Service anbieten zu können, arbeiten sie mit Werkstätten zusammen, die sich während der Miete um eventuelle Probleme an den Autos kümmern. Nach wie vor betreiben sie je zwei Stationen am Flughafen Heraklion und in der Region rund um die Verwaltungsmetropole.

Vorsicht bei Billigpreisen

In den 1990er Jahren, als es Griechenland wirtschaftlich besser ging, kamen auch Touristen aus dem Norden Griechenlands oder aus Athen, um auf Kreta zu urlauben; viele mieteten damals auch Autos. „Heute besteht unsere Kundenschar vor allem aus Mitteleuropäern“, betont Guennewig Kraniotaki. Für den Urlaub auf der Insel seien Kleinwagen in der Regel völlig ausreichend. „Nur eine Klimaanlage sollten sie haben, gerade in der Hochsaison.“ Und man sollte sie nur gut versichert mieten, rät sie.

Das allerdings sind die wenigsten Spar-Angebote im Internet, sagt die Kreta-Expertin: „Es gibt Broker, die einen Kleinwagen in der Vorsaison zu 75 Euro in der Woche anbieten – das kann man aber nicht wirtschaftlich machen, das geht einfach nicht.“ Oder man neppt seine Kunden, indem man wichtige (aber teure) Versicherungen nicht in den Preis eingerechnet hat. „Vor Ort wird den Touristen dann gesagt, sie brauchen diese Versicherungen gegen Kratzer und Schäden aber, sonst wird’s teuer.“

Vor Ort kassieren viele einheimische und die internationalen Mietwagen-Anbieter dann zusätzliche Gebühren von bis zu 50 Euro – die Preise liegen dann über denen von Guennewig Kraniotaki. Diese Erfahrung bestätigen auch Kreta-Touristen im Gästebuch von autokreta.de. Wer die Versicherungen nicht nachträglich abschließt, erlebt bei der Mietwagen-Abgabe seine böse Überraschung. Einzelne Kratzer kosten dann bis zu 150 Euro: „Autos auf Kreta haben alle Kratzer“, weiß die Vermieterin.

Kunden buchen vor allem im Netz

„Wir bieten faire Preise, wir wollen ja, dass die Leute wiederkommen“, sagt Guennewig Kraniotaki. Auch das bestätigen ihre Kunden im Internet. Dort buchen mittlerweile auch die meisten Kunden. Trotz der Griechenland-Krise seien die Autos in der Hochsaison gut gebucht: „Im Juni und Anfang Juli hatten wir Einbußen – aber seither läuft es wieder gut.“ Sie verstehe, wenn Touristen verunsichert gewesen seien: „Aber die Sorgen sind unbegründet. Kreta bleibt trotz Politik ein tolles Urlaubsziel.“

www.autoKreta.de