Unter Strom: Aktuell verfügbare E-Autos

Die Hersteller haben etliche Elektroautos im Angebot – von klein und günstig bis groß und teuer. Von alltagstauglich bis luxuriös. Absatzschlager sind sie bislang aber nicht.

Die Beliebtheit von Elektroautos in Deutschland stottert nach wie vor. Die Zulassungszahlen sind im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar zweistellig gestiegen – aber mit nur 4.663 absoluten Neuzulassungen von Januar bis Juni sind die Zahlen bei mehr als 1,6 Millionen neuen Pkw-Zulassungen eher dürftig. An der Modellvielfalt kann das kaum liegen, wie unser Überblick zeigt.

Das Hauptproblem an den verfügbaren Modellen auf dem deutschen Markt ist: ihr Preis. Für einen Zweisitzer werden mindestens rund 19.000 Euro fällig – ohne Batteriemiete. Dafür bekommt man im Vergleich einen mehr als ordentlich ausgestatteten Kompaktklasse-Wagen mit Verbrennungsmotor. Bei vielen Modellen ist in der Summe sogar noch der Aufpreis oder die Umrüstung zum Gas-Motor inklusive. Wer einen elektrischen Vier- bis Fünfsitzer will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Trotzdem kann es sich unter Umständen lohnen, sich für einen Stromer zu entscheiden – denn das Elektromobilitätsgesetz der Bundesregierung garantiert Elektroautos etliche Vergünstigungen. Die Kommunen dürfen beispielsweise kostenlose Parkplätze für E-Autos ausweisen oder auch die bisher wenig befahrenen Busspuren für batteriebetriebene Fahrzeuge freigeben. Auch zum Teil kostenlose Ladestationen soll es für elektrische Stadtflitzer geben. So soll die Luftqualität verbessert werden.

Die Politik fördert E-Autos

Es ist nicht so, als gäbe sich die Politik keine Mühe, um den Elektrischen auf die Sprünge zu helfen: So genügt zum Beispiel seit diesem Jahr für Handwerker und Gewerbetreibende ein Pkw-Führerschein, um bis zu 4,25 Tonnen schwere elektrische Kleintransporter lenken zu dürfen. Zuvor lag die Grenze bei 3,5 Tonnen. Das Gewicht der meist noch ziemlich schweren Batterie wird dabei herausgerechnet. Zu guter Letzt werden E-Autos auch von der geplanten Pkw-Maut befreit sein, so sie denn kommt.

All diesen Vorteilen zum Trotz kommt der E-Auto-Markt nur schleppend bis gar nicht in Schwung. Für die Hersteller ist das zum einen ein Rätsel, andererseits aus Kundensicht jedoch nicht verwunderlich. Denn die meisten Modelle sind Kleinwagen – mit Reichweiten von maximal 212 Kilometern bei voller Akkuladung. Für Pendler in der Stadt und Metropolregionen durchaus eine Alternative, für Vielfahrer, Mittel- und Langstreckenpendler oder auch größere Familien sind die Stromer damit keine Lösung.

Die Konzepte der Kleinwagen unterscheiden sich teilweise deutlich. Während beispielsweise der Zoe Intens von Renault in der Fahrpraxis ein ziemlich konventionelles Auto ist, will der BMW i3 nebenbei auch Fahrspaß bieten. Das sollte er bei dem ausstattungsbereinigten Mehrpreis von mehr als 18.000 Euro (ab 34.900 €) auch – obschon bei BMW der Akku bereits dabei ist, den man bei Renault je nach Fahrleistung monatlich zusätzlich mieten muss. Dafür erhalten Renault-Fahrer eine Ladestation.

Für Stadtpendler geeignet

Das momentan günstigste Elektroauto auf dem deutschen Markt ist eigentlich gar keines. Denn der Renault Twizy ist ohne die optionalen Scherentüren zulassungsrechtlich kein Pkw, sondern ein Quad. Für den Stadtverkehr ist der flotte Flitzer durchaus gut geeignet – für Autobahnen und auch für den ländlichen Bereich ist er Tests zufolge eher ungeeignet. Im Winter ist der Fahrspaß eher beschränkt. Dafür kostet er nur 7.000 Euro, hat 100 Kilometer Reichweite und fährt 80 Stundenkilometer schnell.

Einer der teuersten Stromer war zu Jahresbeginn der Ford Focus Electric Drive, damals kostete er fast 40.000 Euro – inzwischen haben die Kölner ihren Preis nach unten korrigiert, in etwa auf das Niveau des direkten Konkurrenten aus Wolfsburg, den VW E-Golf. Der Focus ist 137 Stundenkilometer flott (E-Golf 140 km/h), seine Reichweite liegt bei rund 160 Kilometern (E-Golf: 190 km). Im Fahrverhalten soll der Ford zudem laut mehreren Tests unruhiger und technisch nicht so ausgereift sein, wie der VW.

Ähnlich teuer wie der Ford Focus Electric ist nur die Mercedes B-Klasse Electric Drive, die es ebenfalls ab rund 40.000 Euro gibt. Die Tester kommen auch hier zum Fazit: Fahrverhalten in Ordnung, teilweise macht es sogar Spaß, aber die vergleichsweise geringe Reichweite von rund 155 Kilometern und der hohe Anschaffungspreis geben Abzüge in der B-Note. Wer günstiger unterwegs sein will, sollte sich eher bei den Franzosen oder Japanern umschauen. Dort gibt es Kleinwagen für unter 20.000 Euro.

Bringen die aktuellen Modelle den Durchbruch?

Der Renault ZOE etwa auf Basis des Clio kostet rund 16.500 Euro, fährt stattliche 210 Kilometer weit und kann auf bis zu 135 Stundenkilometer beschleunigen. Einen Tick teurer ist der Peugeot iOn, der baugleich dem Mitsubishi MiEV und dem Citroen C-Zero ist. Bereits ab 24.000 Euro ist er zu haben, fährt bis zu 130 Stundenkilometer schnell und schafft rund 150 Kilometer Strecke. Preislich ist der Nissan Leaf ebenbürtig, er ist 144 Stundenkilometer schnell und kommt damit 199 Kilometer weit.

Einen günstigen elektrischen Stadtflitzer bietet auch Daimler mit dem smart fortwo electric drive an. Der Zweisitzer kostet rund 19.000 Euro, er ist 125 Stundenkilometer schnell und hat eine Reichweite von 145 Kilometern. Ebenfalls vergleichsweise preiswert ist der Volkswagen e-Up! mit 26.900 Euro. Er schafft 160 Kilometer Strecke mit 130 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit. Teurer dagegen der Kia Soul EV mit rund 30.000 Euro. Mit 145 Sachen Spitze schafft er bis zu 212 Kilometer Strecke.

Ob die aktuelle Modellpalette wirklich den Durchbruch der E-Autos mit sich bringt, darf angesichts der niedrigen Zulassungszahlen durchaus bezweifelt werden. Um den Markt zu beleben, bräuchte es wohl ein ähnlich massives Programm wie in Norwegen. Dort fällt bei E-Autos die Mehrwertsteuer von 25 Prozent weg, ebenso die Kfz-Steuer und vieles mehr. So wird unterm Strich ein VW E-Golf beim Kauf sogar günstiger als der Verbrenner. Von solchen Programmen ist Deutschland weit entfernt.