Genfer Autosalon – PS sind Trumpf

Die große Euphorie in Sachen Elektromobilität scheint erst einmal vorbei zu sein. Jedenfalls brachte der Genfer Autosalon 2015 in dieser Hinsicht kaum Neues. Und auch sonst vermissen Automobilexperten wie Ferdinand Dudenhöffer neue Horizonte: „Wirklich Inspiratives, das die Neuerfindung des Autos antreibt und der Mobilität neue Impulse geben kann, ist im Palexpo nicht zu sehen.“ Dabei waren am Lac Leman über 130 Welt- und Europapremieren von 220 Herstellern aus 30 Ländern zu bewundern.

Zumindest macht Toyota in Sachen Brennstoffzelle Nägel mit Köpfen. Der Mirai soll als erstes Serienauto der Welt ab September erhältlich sein und bei null Abgasen mit einer Tankfüllung Wasserstoff 5000 Kilometer weit kommen. Das Problem dabei: Noch gibt es kaum entsprechende Tankstellen in Deutschland. Und mit 80.000 Euro ist die Limousine nicht unbedingt ein Schnäppchen und doppelt so teuer wie etwa ein i3 oder eine B-Klasse mit electric drive. Die Japaner sind jedoch optimistisch, dass in spätestens 20 Jahren die Brennstoffzelle zu vergleichbaren Preisen wie herkömmliche Motoren erhältlich sein wird. Beim Hybrid-Antrieb war Toyota vor Jahren schließlich auch Vorreiter.

Entsprechend wurde in Genf die Neuauflage des kompakten Auris gezeigt. Den es eben auch mit dem beim Vorgänger sehr beliebten Hybridantriebsstrang gibt. Die Macher versprechen kraftvolleres Design und einen aufgewerteten Innenraum. Der Kompaktwagen wird in einer Hatchback- und einer Kombivariante „Touring Sports“ angeboten. Neben dem Hybrid stehen Benzin- und Dieselaggregate zur Verfügung, leicht abgespeckt. So hat der Turbo-Direkteinspritzer statt 1,6 Liter beim Vorgänger nur noch 1,2 Liter. Sein Diesel-Pendant bringt es statt zwei noch auf 1,6 Liter Hubraum mit 112 PS. Bei einem Normdurchschnittsverbrauch von 4,7 Litern je 100 Kilometer schafft es der neue Auris bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h. Im Herbst soll das Facelift des erfolgreichen Hybriden bei den Händlern stehen, Preise sind noch offen.

Hybrides von Audi und VW

Mit dem gleichen Antrieb will Audi seinen Q7 ab Frühjahr 2016 auf den Markt bringen. Angetrieben wird der Hybrid e-tron quattro von einem 3,0 Liter Sechszylinder-Diesel und einem Elektromotor. Gemeinsam bringen sie es auf 373 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h. Pro Akkuladung kann er mehr als 50 Kilometer rein elektrisch fahren und soll so auf einen Normverbrauch von 1,7 Litern kommen.

In Sachen Hybrid noch eine Vision ist die VW-Studie Sport Coupé Concept, eine Weiterentwicklung des CC. Sie lehnt sich vom Design her allerdings mehr an das Oberklassenfahrzeug Phaeton an. Fachleute spekulierten, ob es sich bei dem Concept schon um einen Ausblick in Richtung des neuen CC handelt, was die Wolfsburger offen ließen. Sicher ist aber schon jetzt, dass unter der Haube des GTE ein Hybridantrieb mit insgesamt 380 PS werkeln soll, welcher den Viertürer auf eine Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h bringt.

Viele Faceliftings gab es im Bereich der Familienautos zu sehen. Ford etwa wartete mit dem neuen S-Max auf. Laut Hersteller sei damit der Sportvan „zum zweiten Mal“ erfunden worden: Den Siebensitzer gibt es voraussichtlich ab Herbst für Minimum 30.000 Euro. Im Angebot sind zwei Benziner mit 1,5 Litern (160 PS) und 2,0 Litern (240 PS) sowie vier Diesel mit 2,0 Litern Hubraum von 120 PS bis zum 210 PS starken Bi-Turbo. Den Verbrauch geben die Kölner mit kombiniert 6 bis 7,0 Litern auf 100 Kilometern an. Erstmals im Programm ist auch ein intelligenter Allradantrieb.

Leicht gestreckt hat BMW seinen 2er, der sich folglich jetzt Gran Tourer nennt. Er bietet mehr Platz auf den Rücksitzen und im Kofferraum sowie eine optionale dritte Sitzreihe, die sich im Ladeboden versenken lässt. Zur Markteinführung im Juni stehen zwei Benziner (218i, 220i) und drei Diesel (u.a. 216d, 218d) bereit. Zudem wird es den 220d xDrive mit Allradantrieb geben.

Seat betritt Neuland

Den benötigen mit Sicherheit die in Genf gezeigten SUVs. Während Mazda mit dem CX-5 und Hyundai mit dem Tucson (bisher iX35) überarbeitete Versionen vorstellten, begibt sich die VW-Tochter Seat hier auf komplettes Neuland. Zwar noch als Konzept gezeigt, soll das Tiguan-Pendant 20V20 beziehungsweise ein kleinerer Bruder 2016 auf unseren Straßen rollen. Zu welchem Preis ist noch offen, beim Antrieb des bulligen Sportlers setzen die Spanier jedenfalls neben Benzin- und Dieselmotoren (mit bis zu 240 bzw. 300 PS) auch auf den Hybrid. Renault bringt im SUV-Bereich ebenfalls Neues. Der Kadjar positioniert sich von der Größe her zwischen Captur und Koleos. Der 4,45 Meter lange, 1,84 Meter breite und 1,60 Meter hohe Wagen soll gleichzeitig Kombi und Limousine sein. Er basiert auf dem Nissan Qashqai und soll ab dem Sommer bei den Händlern stehen. Zum Start sind ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit 130 PS oder ein Diesel Selbstzünder mit 110 oder 130 PS vorgesehen. Hybrid und Dreizylinder folgen laut Hersteller erst später.

Wie in Genf schon Tradition gab es natürlich auch für die Freunde von PS-Boliden allerhand, was die Augen leuchten lässt. Dabei lassen es nicht nur die bekannten Oberklassefahrzeuge wie Porsche, Ferrari oder McLaren unter der Haube richtig krachen. Mit dem Seat Leon Cupra ST (280 PS), Honda Civic Type R (310 PS) und Ford Focus RS mit über 320 PS gibt es auch in der Mittelklasse schon entsprechende Rennflundern. Freilich ist das kein Vergleich etwa zum Lamborghini Aventador SV mit 750 PS, der in 2,8 Sekunden von null auf hundert beschleunigt. Nur geringfügig länger brauchen dazu der Ferrari 488 GTB mit 670 PS und der Porsche 911 GTS 3 mit 500 PS. Im Kräftemessen der Großen steht auch Audi mit dem neuen R8 gut da, den es mit bis zu 610 PS geben wird.

Dass es auch mit Hybrid in dieser Klasse geht, bewies Koenigsegg. Der schwedische Hersteller zeigte den Regera, einen 1500 PS starken Plug-in-Hybrid mit drei Elektromotoren. Der schafft es in weniger als 20 Sekunden von 0 auf 400 Sachen. Den Spaß muss man sich allerdings mindestens 1,9 Millionen US-Dollar kosten lassen.

Homepage Genfer Auto-Salon