IAA Nutzfahrzeuge 2014 – Technologiepakete auf Rädern

Trotz der sich anbahnenden Krise auf dem Markt: Die IAA Nutzfahrzeuge hat gegenüber 2012 einen deutlichen Aufschwung erlebt. 322 Weltpremieren gab es vom 25. September bis zum 2. Oktober in Hannover zu bestaunen von 2066 Ausstellern aus 45 Ländern. Die Zahl der Aussteller ist um neun Prozent gestiegen und liegt nur knapp unter dem Rekordniveau des Jahres 2008. Ebenfalls einen Beinahe-Höchststand gab es bei der Ausstellungsfläche von knapp 265.000 Quadratmetern. Schließlich war der Anteil der internationalen Anbieter (1.216) mit 59 Prozent so hoch wie nie zuvor in der 22-jährigen Geschichte der Messe. „Die IAA hat damit ihre Position als weltweite Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik weiter gestärkt und ausgebaut“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Kein anderes Verkehrsmittel habe in den vergangenen Jahren solche Quantensprünge vollbracht wie das Nutzfahrzeug, „es ist ein wahres Technologiepaket auf Rädern“. Dies dokumentierten die Hersteller, allen voran Daimler mit seinem Future Truck (siehe Artikel auf S.22), der in der Lage ist, autonom zu fahren. Ein großes Thema in Hannover waren alternative Antriebe. Nissan schickte etwa den e-NV200 ins Rennen. Der wahlweise als Kastenwagen oder Van erhältliche Stromer bietet ein Ladevolumen von bis zu 780 Kilogramm und kann zwei Standard-Euro-Paletten aufnehmen. Er soll eine Reichweite von 170 Kilometer haben und an einer Schnelladestation binnen 30 Minuten wieder 80 Prozent seiner Kapazität erreichen. Der e-NV200 kostet in der Basisversion rund 24.000 Euro.

Noch Zukunftsmusik ist der vollelektrische Canter der japanischen Daimler-Tochter Fuso. Er bringt es auf 110 kW (150 PS), läuft momentan allerdings noch bei einer einjährigen Versuchsreihe mit acht Fahrzeugen in Portugal. Der elek-trisch angetriebene Leicht-Lkw basiert auf dem Fahrgestell des konventionellen Canter und verfügt über ein zulässiges Gesamtgewicht von 6,0 Tonnen. Links und rechts des Rahmens sind insgesamt vier Batteriepakete in zwei rundum gekapselten Boxen untergebracht. Sie ermöglichen laut Hersteller eine Reichweite von mehr als 100 Kilometern. Das Laden der Batterien dauert an 230 Volt rund sieben Stunden, an einem Schnellladesystem eine Stunde. Damit bieten die Japaner die ganze Bandbreite der Antriebssysteme vom sparsamem Diesel nach den aktuellen Abgasstufen Euro VI und Euro 5b+, den Eco Hybrid bis jetzt eben zum Stromer.

Stadtlieferwagen von Peugeot

Ebenfalls auf Energie aus der Steckdose setzt Peugeot mit dem Partner Electric. Das als Stadtlieferwagen gedachte Fahrzeug soll bis zu 170 Kilometer mit einer Batterieladung schaffen. Der Elektromotor leistet 49 kW (67 PS) und bietet eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h, um die Reichweite zu erhöhen. Platz ist innen für bis zu 3700 Liter Ladekapazität, knapp 700 Kilogramm beträgt das mögliche Zuladegewicht. Mit Batterie kostet der Partner Electric rund 25.000 Euro. Für gewerbliche Kunden gibt es bei Finanzierung oder Leasing ein so genanntes „Splitted-Offer-Angebot“, bei dem die Batterie über eine Laufzeit von 96 Monaten gemietet werden kann.

Nicht Strom, sondern Gas steht bei den Antriebsneuheiten von Iveco, MAN, Mercedes-Benz und Scania im Mittelpunkt. Etwa der Iveco Stralis, bei dem das flüssige Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG) in kälteerzeugenden Tanks bei minus 125 Grad Celsius gelagert wird. Nach dem Erhitzen in einem Wärmetauscher gelangt es als Gas in den Motor. Im Gegensatz zu den Fahrzeugen, bei denen das Erdgas stark komprimiert wird, soll LNG ein geringeres Leergewicht und eine größere Reichweite ermöglichen. Zudem ist der Stralis LNG leiser als ein Diesel-Lkw. Das in Hannover gezeigte Modell hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 Tonnen, unter der Haube stecken 330 PS aus einem 8,0-Liter-Erdgasmotor. Auf der Straße ist er bisher nur als Vorführfahrzeug zu sehen.

Nicht so das Roundup des Transporters Daily, den Iveco ebenfalls präsentierte. 80 Prozent aller Teile sind nach Herstellerangaben neu. Verändert wurden in der dritten Generation auch die Radstände und teilweise die Überhänge, um die Ladeeffizienz zu verbessern. Neu sind auch die niedrige Ladekante oder die weit öffnenden Türen mit Beleuchtung. Angetrieben wird das Fahrzeug von Common-Rail-Dieselmotoren der neuesten Generation mit Euro-VI oder per Erdgas. Den Daily gibt es als Kastenwagen und mit offener Ladefläche. Die Preisskala beginnt bei rund 31.000 Euro.

Neuauflagen und PS-Protze

Neuauflagen ihrer arrivierten Transporter haben auch Opel, Ford und Mercedes-Benz vorgestellt: den Opel Vivaro, die Transit-Familie von Ford sowie den Vito von Mercedes. Der erinnert an die V-Klasse, die Abmessungen sind aber nahezu identisch. Bei den Motoren hat der Käufer die Wahl zwischen einem 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 88 bzw. 114 PS oder dem 2,1-Liter-Turbodiesel. Dieser ist mit 136, 163 und 190 PS erhältlich. Zur Wahl stehen ebenfalls Vorderrad-, Hinterrad- und Allrad-Antrieb. Genauso vielfältig ist die Palette der Fahrzeuge: vom Kastenwagen, über den Mixto und Tourer bis hin zum Tourer als Personentransporter. Zu haben ist der neue Vito als Kastenwagen ab rund 21.000 Euro, für den günstigsten Tourer werden gut 9.000 Euro mehr fällig.

Neben der Sprinter-Klasse waren natürlich in Hannover auch die Könige der Landstraße Blickfang. Momentan PS-Spitzenreiter ist der FH16 750 von Volvo. Sein Motor mit 16 Litern Hubraum bringt 750 Pferdestärken auf die Straße. Knapp mit Platz zwei zufriedengeben muss sich Scania. Der R730 V8 schafft – man ahnt es aufgrund des Namens – eben 730 PS, braucht dazu aber auch nur einen Achtzylinder. Dafür hält er die strenge Euro-6-Abgasnorm ein. Dagegen setzt MAN bei der neuen TGX-Reihe mit Reihensechszylindermotoren auf vergleichsweise bescheidene 360 bis 560 PS.

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