Schöne neue Autowelt – So sind wir in 2020 mobil

Selbstfahrende Autos, die untereinander kommunizieren um Staus zu vermeiden während der Fahrer zum Passagier wird, Multimediaunterhaltung genießt oder am Tablet arbeiten kann. So stellen sich Experten heute unsere Mobilität in 25 Jahren vor und prophezeien ein Zukunftsauto, das vernetzt, autonom und umweltfreundlich ist.

Geht es nach dem Willen der Mehrheit, ist die Sache klar: In erster Linie müssen nicht die heutigen Autos verbessert werden, sondern die Möglichkeiten der persönlichen Mobilität. Staus auf Autobahnen und in Städten, Parkplatzmangel sowie umständliche Verkehrsführung nerven und kosten, laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung jährlich rund 4,4 Milliarden Euro durch Zeitverluste und Umweltschäden.

Künftig könnten auch noch einmal 3,5 Milliarden Euro eingespart werden, wenn Logistiksysteme intelligenter werden. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis neue Apps und Services unterschiedliche Verkehrsnetze miteinander verbinden. Mit den Mautsystemen jetzt ist ein wichtiger Teil der erforderlichen Infrastruktur vorhanden. Verkehrstelematik wird in Zukunft nicht nur dafür sorgen, dass weniger Staus entstehen, sondern auch helfen, Leer- und Suchfahrten zu vermeiden. Sie wird dabei unterstützen, die Vorteile der einzelnen Verkehrsträger Schiene, Straße, Wasser und Luft besser zu nutzen und zu kombinieren. Dabei werden die einzelnen Fahrzeuge nicht nur mit der Infrastruktur, sondern auch untereinander kommunizieren.

Das vernetzte Auto

Ob das iCar, mit dem Steve Jobs schon liebäugelte, aus dem Hause Apple tatsächlich Realität wird ist fraglich, auch wenn das Unternehmen angeblich in den Automarkt einsteigen will. Doch bereits das heutige Auto ist vielfältig vernetzt, bei Mercedes zum Beispiel mit der Smartwatch. Sitzt der Fahrer im Wagen, warnt ihn seine Uhr vor Falschfahrern oder anderen Gefahrensituationen, außerhalb des Autos beantwortet ein Blick darauf ganz schnell die Frage, ob man besser noch tanken sollte.

Tatsächlich ist das, was nach Spielerei klingt, heutigen Autobesitzern wichtiger als die Fahrleistung. Der Smartphone-Anschluss rangiert weit vor einer hohen PS-Zahl, wie der IT-Branchenverband BITKOM herausgefunden hat. Bei den jüngeren Autofahrern unter 30 Jahren legen zwei Drittel Wert auf einen Anschluss für ihr Smartphone, einen PS-starken Motor wollen nur 42 Prozent. Große Bedeutung haben zudem moderne Fahrerassistenzsysteme: 91 Prozent aller Autofahrer sind solche elektronischen Fahrhilfen wichtig. Neun von zehn befürworten den aktiven Eingriff der Helfersysteme in die Fahrzeuglenkung, etwa um Autos von Geisterfahrern zu stoppen.

Automatische Einparkhilfen, Spurhalte- und Stau-Assistenten gehören schon heute zur Serienausstattung im Premiumsegment. Doch auch das vollständig selbstfahrende Auto ist längst keine Science Fiction mehr: Es wurde inzwischen in einigen US-Bundesstaaten wie Kalifornien zu Probezwecken zugelassen, nachdem Google schon seit etlichen Jahren autonome Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen getestet hatte.

Das autonome Auto

Auch auf Europas Straßen sollen solche Autos bald Realität sein. Volvo schickt in Kooperation mit der schwedischen Regierung voraussichtlich 2017 autonome Fahrzeuge auf viel genutzte Pendlerstrecken in Göteborg. Das groß angelegte, so genannte „Drive Me“-Projekt soll zeigen, wie selbstfahrende Autos den Verkehr sicherer, emissionsärmer und entspannter machen. Andere Hersteller wie Volkswagen, Bosch, Daimler, Ford, Opel, Renault arbeiten im Zusammenschluss mit verschiedenen europäischen Hochschulen ebenfalls an dem Thema. Der erste autonome BMW wurde Anfang des Jahres auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellt. Heutige Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2040 drei Viertel des gesamten Verkehrsaufkommens aus autonomen Fahrzeugen bestehen könnten.

Bis dahin gibt es freilich nicht nur technische, sondern auch rechtliche Fragen zu klären. Denn wer haftet für die selbstfahrenden Autos? Wenn die Technik versagt oder wenn ein Hackerangriff einen Unfall verursacht hat? Die heute gültigen Gesetze liefern darauf keine Antworten, sehen sie doch vor, dass der Fahrer seinen Wagen jederzeit vollständig kontrollieren können muss – das passt schon jetzt nicht mehr zum Stand der Technik und wird in absehbarer Zeit modernisiert werden müssen.

Das grüne Auto

Viel verändern wird sich auch beim Ressourceneinsatz von Fahrzeug und Kraftstoff. In der Zukunft führt aufgrund endlicher Ölreserven und Klimawandel kein Weg an Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit vorbei. Ob die Elektromobilität sich letztlich durchsetzt, kann im Moment niemand seriös beurteilen. Toyota will bereits im kommenden Jahr als erster Hersteller ein Brennstoffzellen-Auto, das Strom auf Basis von Wasserstoff erzeugt, auf den Markt bringen. Die Reichweite soll 500 Kilometer betragen, der Preis bei stolzen 80.000 Euro liegen. Auch andere Hersteller haben bereits mit der Technik experimentiert, aber noch kein Serienfahrzeug vorgestellt.

Vielleicht geht es in der Zukunft aber doch mit Verbrennungsmotor und trotzdem nachhaltig und umweltfreundlich? Audi forscht etwa derzeit an Biobenzin, der „Audi e-Benzin“ genannte Kraftstoff stammt aus nachwachsenden Rohstoffen und ist emissionsärmer. Und auch die Karosserie selbst kommt auf den Umweltprüfstand. Mit dem Biofore concept car präsentierte das finnische Holz- und Papierunternehmen UPM gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Helsinki auf dem Genfer Autosalon erstmals ein Auto, das auch aus erneuerbaren Biomaterialien gebaut ist und mit Biokraftstoff auf Holzbasis fährt.