Stromer sehr selten

Der 84. Internationale Automobil-Salon in Genf.

Die Euphorie rund um Elektromobilität und alternative Antriebsformen hat sich stark abgeschwächt. Das ist der Eindruck, den Beobachter gewonnen haben beim 84. Internationalen Automobil-Salon in Genf. Kein Wunder: Laut dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer lag der Marktanteil der Stromer in Deutschland 2013 gerade einmal bei 0,2 Prozent. Folglich waren in Genf bei den bekannten Herstellern lediglich zwei neue Elektroautos zu sehen: der Kia Soul EV und der Golf GTE. Wobei letzterer ein Hybrid ist.

So gehörte die Bühne beim traditionsreichen Salon vor allem Luxus- und Sportwagen sowie auf der anderen Seite den Kleinwagen. In die klassische Mittelklasse fällt der Mercedes GLA, ein an die A-Klasse angelehnter Crossover. Der bietet allerdings mehr Platz und erreicht mit 421 Litern Fassungsvermögen das Niveau des BMW X1. Die Motorenpalette reicht von 156 über 211 bis hin zu 360 PS bei der AMG-Version. Zu haben ist der GLA ab rund 30.000 Euro.

Rund 100.000 Euro mehr werden fällig für das Coupé der Mercedes S-Klasse. Unter der Haube steckt ein 455-PS-V8-Biturbo mit 455 PS. Der ab Herbst erhältliche Zweitürer besitzt ein spezielles Fahrwerk mit Kurvenneigetechnik. Ebenfalls von Mercedes gibt es einen neuen Van, der bis zu acht Personen Platz bietet. Die V-Klasse wird in zwei Radständen und drei Längen mit Motorvarianten beim CDI zwischen 136 und 190 PS ab Ende Mai angeboten. Der Kaufpreis beginnt bei 41.000 Euro.

In der Van-Klasse schickte Konkurrent BMW in Genf den 2er Active Tourer ins Rennen und erweckte somit eine Studie des Pariser Salons 2012 quasi zum Leben. Der Van bietet zwischen 468 und 1.510 Liter Ladevolumen, die Leistung variiert zwischen 136 und 231 PS. Die Dieselvariante mit 150 PS soll sich laut Hersteller mit einem Verbrauch von 4,1 Litern auf 100 Kilometer zufrieden geben. Ob die Zielgruppe junge Familien bei einem Preis von mindestens 27.000 Euro für den Minivan klug gewählt ist, wird sich aber noch zeigen müssen.

Ebenfalls neu von den Münchnern: das 4er Gran Coupé, das X3-Facelift und der X4. Der SUV hat die Optik eines Coupés und nutzt die Technik des X3. Der Preis liegt allerdings etwas über dem kleinen Bruder: die Skala beginnt bei 45.600 Euro für den Zweiliter-Diesel mit 190 PS und geht bis 60.000 Euro für den Sechszylinder-Diesel mit 313 PS.

Von Haus aus 258 PS bringt der neue Porsche SUV namens Macan (indonesisch für Tiger) auf die Straße. Obwohl er knapp zwei Tonnen wiegt, beschleunigt der Diesel von 0 auf 100 in 6,3 Sekunden und verbraucht laut Porsche kombiniert 6, 1 Liter. Der Spaß kostet dann mindestens 58.000 Euro, der Benziner mit 400 PS rund 80.000 Euro.

Womit wir bei den PS-Boliden sind. Ferrari zeigte den neuen California mit Turbomotor und 560 PS. Er beschleunigt von 0 auf 100 in 3,6 Sekunden, dürfte mit einem Mindestpreis von 180.000 Euro aber für die meisten Autofans ein Traum bleiben. In die gleiche Kategorie gehört der McLaren 650S. Dank des 3,8 Liter V8-Biturbos bringt er es auf 650 PS.

Auf der anderen Seite der PS-Skala feierten viele Klein- und Kleinstautos am Lac Leman Premiere. Der neue Renault Twingo etwa ist das erste Produkt der Kooperation zwischen den Franzosen und Daimler. Entsprechend bildet er die Plattform für den viertürigen Smart Forfour. Den zeigt Daimler allerdings erst an Ostern bei der Automesse in Peking. Der 3,60 Meter lange Renault Twingo der dritten Generation setzt auf Heckantrieb und gleicht äußerlich dem Fiat 500. Marktstart soll im Herbst sein, dann bieten die Franzosen den neuen Dreizylinder-Benziner mit knapp einem Liter Hubraum an. Er soll sich mit nur 4,4 Litern auf 100 km zufrieden geben. Der Basispreis liegt laut Renault bei knapp über 10.000 Euro.

Ähnlich teuer dürfte der Suzuki Celerio mit der entsprechenden Sicherheitstechnik werden, wenn er im Herbst bei den Händlern steht. Der etwas größere Bruder des Alto bietet nicht nur mehr Platz, sondern auch eine bessere Verarbeitung im Innenraum. Unter der Haube steckt allerdings der 68 PS-Dreizylinder des Alto. Den will Suzuki nochmals überarbeiten und dann soll er mit rund drei Litern Diesel auf 100 km auskommen. Ebenfalls neu in dieser Klasse: der Peugeot 108, der leicht vergrößerte Mini, der Opel Adam Rocks, der Mini-SUV Citröen Cactus mit Luftkissen ringsum zur Vermeidung von Kratzern, der Citröen C1 sowie der runderneuerte Ford Focus.

Der präsentiert sich vor allem im Innenraum aufgeräumter dank einer komplett neuen Mittelkonsole. Dort findet der Fahrer einen Touchscreen, der auch auf Spracheingabe reagiert, einen USB-Anschluss sowie einen Becher- und Flaschenhalter. Das Interieur wirkt im Vergleich zum Vorgänger hochwertiger, die Schalter sind flacher und größer. Bei den Motoren hat der Kunde ab Herbst die Wahl zwischen einem 1,5 LIter-EcoBoost-Vierzylinder Benziner mit 150 oder 180 PS bzw. einem 1,5 Liter mit 95, 105 oder 120 PS. Für den Focus soll Ford weiterhin ab 17.000 Euro verlangen, dafür gibt es ein automatisches Ein- und Auspark- sowie ein intelligentes Lichtsystem, das sich dem Verlauf der Strecke und der eigenen Geschwindigkeit anpasst.

Wie ein SUV-Polo aussehen könnte, zeigte VW mit der Studie T-Roc. Er soll unter anderem Käuferschichten unterhalb des erfolgreichen Opel Mokka anziehen. Das 4,18 Meter lange Gefährt hat wenig von der braven Form des Polo. Es zeigt sich mit den kleinen Leuchten eher aggressiv und angriffslustig. Die Instrumente im Inneren sollen frei programmierbar sein. Geplant ist der T-Roc mit dem 184 PS starken Diesel vom neuen Golf, dank des leichteren Gewichts von 1420 Kilogramm soll der Mini-SUV mit 4,9 Litern auf 100 Kilometer auskommen.

Ansonsten war für die Wolfsburger in Genf eher Modellpflege angesagt mit dem oben schon erwähnten Hybrid-Golf für rund 36.000 Euro, dem Cross Polo, dem PS-mäßig etwas aufgemotzten Blue GT, dem jetzt auch als Benziner erhältlichen Polo Blue Motion (95 PS/ 4,1 Liter auf 100 km), sowie dem sparsameren und flacheren Scirocco. Einen Trumpf behält sich VW jedoch für den Autoherbst noch im Ärmel: den überarbeiteten Passat.

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