Trends beim Angebot: Alles, immer und überall

Die Mobilitätsbedürfnisse der Kunden wandeln sich: Immer passgenauer und flexibler soll das gerade zu dem Zeitpunkt ideale Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. Mehr kosten darf das freilich in der Regel nicht. Eine Herausforderung für Autovermieter – in der Betreuung von Geschäfts- wie Privatkunden.

Die gute Nachricht zuerst: Langfristig wird die Bedeutung des Mietwagens als Alternative zum eigenen Fahrzeug weiter wachsen, prophezeien die Experten. Das darf Autovermieter zunächst positiv stimmen, wirft aber gleichzeitig die Frage auf, welche Voraussetzungen an den Einkauf der neuen Mobilität geknüpft werden. Natürlich muss es unterm Strich günstiger sein als ein Autokauf, dabei hoch flexibel, bequem und spontan nutzbar. Optimal auf diese Bedürfnisse passt gerade das Carsharing. Ein Erfolgsfaktor ist die Kostentransparenz, meist wird im Minutentakt abgerechnet – es gibt weder eine Mindestmietdauer noch irgendwelche Grundgebühren. „Mit unserem flexiblen Mobilitätskonzept aus Nachhaltigkeit, Lifestyle und Innovation treffen wir offensichtlich den Bedarf der städtischen Bevölkerung“, beschreibt Nico Gabriel, einer der Geschäftsführer bei DriveNow, den aktuellen Trend.

Das Joint Venture-Unternehmen von BMW und Sixt hat mittlerweile über 200.000 registrierte Nutzer und rund 2.500 Fahrzeuge. Außerdem kann der Kunde jetzt nicht nur spontan ein Auto nutzen, sondern von dort aus auch gleich noch flexible Versicherungsangebote oder spezielle Freizeitpakete für Shopping, Skifahren oder Wellness buchen. Es lebe der Moment. Tatsächlich wird Carsharing immer wieder enormes Potenzial bescheinigt. Jeder zweite Autofahrer kann sich mittlerweile vorstellen, solche Angebote zu nutzen. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar zwei Drittel, in der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahre über 60 Prozent. Das ergab zuletzt eine repräsentative Umfrage unter Autofahrern im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM.

Die Mischung macht‘s

Auch jenseits des Carsharings bleibt das Argument der geringeren Kosten der punktuellen Mobilität im Vergleich zum eigenen Fahrzeug ein gewichtiges. Branchenexperten sehen hier insbesondere bei den Elektroautos Umsatzpotenzial für die Autovermietunternehmen: Der Kauf eines (noch) teuren Elektroautos kommt nur für wenige in Frage, wer mit dem E-Fahrzeug unterwegs sein will, mietet es daher lieber. Grundsätzlich ist es vor allem die Bandbreite an verschiedensten Fahrzeuggrößen und -typen für den jeweiligen Einsatzzweck, der die Miete im Vergleich zum eigenen Fahrzeug attraktiv macht.

Wer ein bestimmtes Fahrzeug auf Zeit fahren möchte, wird inzwischen nicht mehr nur bei den klassischen Autovermietungen, sondern auch bei den Automobilherstellern fündig. Aus ein paar Werkstattersatzfahrzeugen und Vorführwagen hat sich bei vielen Händlern ein regelrechter Pool aus Mietfahrzeugen der eigenen Marke entwickelt. Opel Rent, Euromobil von VW, Mercedes Benz Rent oder BMW on Demand: Sie alle versprechen nicht nur Mobilität, sondern ein ganz bestimmtes Markenerlebnis, das von immer mehr Kunden gesucht wird und die dafür auch bereit sind, einen Aufpreis zu bezahlen. Auch die Autohändler setzen im Übrigen auf eine Flotte mit möglichst vielen Einsatzmöglichkeiten – nur stammen eben alle von ein und demselben Hersteller.

Verschiedene Modelle für Geschäftskunden

Kommt zu einem breiten Mix an Fahrzeugen dann auch noch ein Mischkonzept aus Leasing mit Kurz- und Langzeitmieten hinzu, dann wird nahezu jeder Kunde in Zukunft glücklich. Denn während die junge urbane Bevölkerung besonders auf die spontane Nutzung via Carsharing anspricht oder Privatkunden die Miete eines besonderen Fahrzeugs beim Händler wegen mangelnder Verfügbarkeit auch mal verschieben können, benötigen Geschäftskunden nach wie vor verlässliche und planbare Mobilität.

Diesem Kundenkreis kommt weiterhin eine große Bedeutung zu: Bei Sixt etwa wies das Firmenkundengeschäft im Jahr 2012 einen Anteil von 46 Prozent auf, in der Gesamtbranche dürfte sich das ähnlich verhalten. Auch die Unternehmen nutzen mittlerweile Carsharing-Angebote, um ihren flexiblen Mobilitätsbedarf zu decken.

Business Class ist gefragt

Intern agieren sie immer flexibler, dadurch ändern sich ihre Bedürfnisse schneller. Die Flotte wird daher nicht mehr nur geleast, gemietet oder ge-„shared“, sondern oftmals aus einer Mischung verschiedenster Konzepte zusammengestellt. Die Autovermieter reagieren darauf mit einem breiten Angebot. Ein Modell zur Langzeitmiete bieten etwa neuerdings die Mazda-Händler in Zusammenarbeit mit CCUnirent an. Beim „Mazda Mobil Profi-Charter“ offerieren über 250 Mazda-Händler den Flottenkunden Neuwagen wie den Mazda3, Mazda6 und den CX-5 zur Langzeitmiete. Geordert wird der gemietete Fuhrpark bequem via Internet. Freikilometer und Beratung zur Wirtschaftlichkeit des Kundenfuhrparks sind inklusive.

Flexibilität auch – denn alle Vermieter müssen sich zudem darauf einstellen, dass Unternehmen in kürzerer Frequenz ihre Regelwerke hinsichtlich des Kfz-Einsatzes ihrer Mitarbeiter ändern, und das hat Konsequenzen für Fahrzeugtypen und Mietmodelle. Dieser Praxis zu begegnen und gleichzeitig die eigene Flotte optimal auszulasten, stellt die Hauptherausforderung bei der Betreuung der Geschäftskunden dar. Außerdem erwarten Unternehmen heute oftmals eine globale Präsenz ihres Mobilitätsdienstleisters – ein Anspruch, dem kleine und mittlere Autovermietungen durch internationale Vernetzung gerecht werden können. Kunden kommt es bei internationalen Buchungen überdies vor allem darauf an, dass sie sich auf einheitliche Qualitätsstandards verlassen können. Bei lediglich losen Kooperationen ist dies für die Mobilitätsanbieter oftmals ein schwieriges Unterfangen.

Schwierige Geschäfte, neue Kunden, weniger Personal

Ein ebenfalls nicht unproblematisches Geschäft, das durch die restriktive Politik der Versicherungsunternehmen zunehmend erschwert wird, ist der Unfallersatz. Nichtsdestotrotz sind derzeit noch viele Autovermietungen existenziell darauf angewiesen. Auf der anderen Seite entsteht durch die knappen öffentlichen Kassen und die angespannte Haushaltslage in vielen Kommunen gerade ein ganz neuer Kundenkreis. Städte und Gemeinden mieten immer häufiger Fahrzeuge an, um damit ihren Aufgaben nachzukommen. Ebenfalls positiv wirkt sich auf lange Sicht aus, dass die Personalaufwandsquoten seit einigen Jahren sinken. Der Trend der zunehmenden Automatisierung quer durch alle Branchen dürfte die Personalkosten auch in Zukunft weiter senken.