Trends im Management: Mit Vollgas in die mobile Zukunft

Welche Trends prägen das Business von morgen? Was müssen Manager in der Zukunft können und berücksichtigen? Wie wichtig werden ökologische Fragen und inwiefern revolutionieren mobile Anwendungen das unternehmerische Handeln? Beim Blick in die Zukunft sind sich Praktiker und Experten uneins.

Die Unternehmensberatung Signium International veröffentlichte eine Studie mit dem Titel „Unternehmensführung 2030 – Innovatives Management für morgen“. Die Ergebnisse waren auf den ersten Blick ganz klar: künftige Unternehmenslenker müssen unter immer größerer Unsicherheit Entscheidungen treffen und trotz steigender Komplexität und ständiger Bewegung für eine klare Ausrichtung sorgen. Dazu gehört es, die Flexibilität zu managen, die heute alle verlangen, die Mitarbeiter gezielter einzusetzen und mehr Zeitarbeit zu nutzen.

Weil die Arbeitsprozesse – auch in der Dienstleistung – künftig flexibel und fließend sind, wird das Beziehungsmanagement zu einer zentralen Managementaufgabe. Kommunikation und die Fähigkeit, Mitarbeiter über intelligente Feedback- und Austauschsysteme im Unternehmen zu koppeln und zu synchronisieren, sind entscheidend für den Geschäftserfolg der Autovermietung von morgen. Auch an Innovation führt in Zukunft kein Weg mehr vorbei – Kreativität und Inspiration werden zentrale Themen sein. Aufgabe der Führungskraft ist es, entsprechende Freiräume dafür zu schaffen.

Und als ob dies nicht schon genug wäre, gilt es auch noch, mehr Verantwortung für die Gesellschaft und die Mitarbeiter zu tragen. Die Öffentlichkeit fordert Nachhaltigkeit und soziales Engagement schon heute selbstverständlich von den Unternehmen ein. Kaufentscheidungen werden ans moralische Gewissen gekoppelt, die Kunden honorieren gute Taten.

Ökologie ja, aber bitte nicht gleich

Ein Thema, bei dem sich genau dieses Phänomen bereits in den Flotten widerspiegelt, ist das ökologische Bewusstsein. So versprechen sich Mobilitätsdienstleister, die auf umwelt- und klimafreundliche Fahrzeuge setzen, die Gewinnung neuer Zielgruppen: Elektrofahrzeuge, Hybridautos und kleine sparsame Stadtflitzer signalisieren, dass man auf der Höhe des Zeitgeistes vermietet. Doch die Strategie geht nicht immer auf: Europcar hatte bereits den Opel Ampera in der Flotte – allerdings mit mäßigem Erfolg, da die Kunden der neuen Technik noch nicht vollumfänglich vertrauten, wie es aus dem Unternehmen heißt.

Um das zu ändern, bauen Verwaltung und Wirtschaft das Netz an öffentlichen Stromtankstellen kontinuierlich aus. Einzelne private und öffentlich-rechtliche Unternehmen, die Energiekonzerne, aber auch Stadtwerke betreiben bereits E-Zapfsäulen. Teilweise kann man dort seine Ladekabel kostenlos einstöpseln, manchmal wird dies gegen ein Entgelt angeboten. Das amerikanische Startup-Unternehmen Tesla stellt außerdem gerade an den Autobahnen „Supercharger“ auf, an denen das Elektro-Auto Model S in einer halben Stunde zum Nulltarif geladen werden kann. Bis Ende 2014 sollen 35 der Stromtankstellen allein an deutschen Autobahnen entstehen.

Stromtankstellen benötigen in Zukunft auch die Autovermietstationen, wenn sie ihre Modellpalette um Hybrid- und Elektrofahrzeuge erweitern. Hersteller der E-Zapfsäulen gibt es weltweit inzwischen einige, die meisten kommen aus Asien. Zeitweise fertigte auch Siemens solche Systeme, hat sich aber mangels Marktchancen aus der Produktion verabschiedet. Das signalisiert, dass die Elektromobilität noch lange nicht vor dem Durchbruch steht, die Kunden haben ein zwiespältiges Verhältnis dazu. Eine Prognose, wann E-Fahrzeuge als nennenswerte Größe in die Flotten Einzug halten, ist derzeit seriös schwer abzugeben.

Mein Auto nur einen Klick entfernt

Ganz im Gegensatz dazu marschiert mit einer gewaltigen Dynamik und absolut unaufhaltsam die Internettechnologie in den Autohandel und die Vermietung und revolutioniert die Vertriebsprozesse. In diesem Jahr werden voraussichtlich rund 30 Millionen Smartphones in Deutschland verkauft. Das entspricht einem Plus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Branchenverband BITKOM vermeldet. Insgesamt wird die Anzahl der Smartphones 2016 mit 10 Milliarden Geräten größer sein als die Weltbevölkerung, wenn man den Berechnungen der Analysten von IDC Glauben schenken mag.

Diese Zahlen beflügeln Vertriebsprofis und setzen kreative Ideen für den Internetabsatz frei: Sixt und Autobid.de starteten etwa eine neue Auktionsplattform für Gebrauchtwagen. Dort können Privatleute und Unternehmen ihre Fahrzeuge einstellen, von einem Händlernetz vorab bewerten und anschließend zu einem festgelegten Mindesterlös versteigern lassen. Wer anschließend Platz in der Garage hat, kann sich dann direkt seinen neuen Mercedes online ordern. Daimler eröffnete Ende des vergangenen Jahres einen eigenen Internetshop, in dem Kunden vier vorkonfigurierte Modelle bestellen können – vorerst nur im Leasing. Auch BMW vertreibt seinen i3 bereits über das Internet. Nicht nur in den Vertrieb, auch in die Fertigung hält die Internettechnologie im Übrigen immer stärker Einzug. Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ steuert sie die gesamte Produktion an, mit dem Ziel einer intelligenten Fabrik. Am Ende besteht ein direkter Draht – vom Kundenwunsch zur Werkbank.

Vertrauen in bewährte Strategien – eine gute Idee?

All diesen Visionen zum Trotz setzen die Unternehmer von heute aber vor allem auf bewährte Rezepte, wenn es darum geht, die Profitabilität zu steigern – und fahren nicht schlecht damit. Eine Studie der Unternehmensberatung KPMG hat analysiert, dass der Fokus der Unternehmenslenker klar auf den Themen Umsatzwachstum, Produktinnovationen und Kostenreduktion liegt – und neue Mobile- und Online-Trends lange danach rangieren.

Um den Umsatz nachhaltig zu steigern, setzen die meisten weiterhin auf ihre Produkte und Marken. Neben der Produktentwicklung haben im Marketing die klassischen Instrumente wie Markenaufbau und Preisgestaltung Priorität, gefolgt von neueren Tools wie der Analyse von Verbraucherdaten. Damit liegen sie weit vor den neuen Trends wie Online oder Mobile, Social Media und App-Marketing. Ebenso wichtig ist in der Gegenwart die Verbesserung der Abläufe im Unternehmen – das hilft, Kosten zu senken. Am Ende lässt dies eine Schlussfolgerung zu: auch 2014 besteht die Kunst für Autohandel und Autovermietung darin, keinen Trend zu verschlafen, sich gleichzeitig nicht zu verzetteln und auf seine Stärken zu setzen.