The balkan diaries

Eine Reise mit dem Auto durch das vergessene Land Bosnien-Herzegowina.

Nur neun Autostunden von München entfernt liegt Bosnien, das Land in dem vor knapp zwei Jahrzehnten der Krieg tobte. Heute denkt kaum noch jemand daran, allerdings wissen die meisten auch so gut wie nichts über dieses Land in Mitten Europas. Als der Fotograf Thomas Bönig ankündigte, dies ändern zu wollen, fand sich schnell Unterstützung.

„Ich war damals gerade in die Schule gekommen, als die Bilder im Fernsehen liefen“, sagt Thomas Bönig und meint damit den Krieg auf dem Balkan, „alle, die noch jünger sind als ich, haben dazu aber überhaupt keinen Bezug mehr“. Das wollte der fränkische Fotograf ändern. Gemeinsam mit dem befreundeten Kameramann Martin Peichert und dem Autor Axel Rabenstein machte der Nürnberger sich daher im September auf die Reise – 17 Tage lang quer durch ein unbekanntes Land.

Wichtigstes Gepäckstück: die Kameraausrüstung, um dokumentieren zu können, was später für Erinnern und Kennenlernen sorgen soll. Sie heil und einigermaßen stressfrei zu transportieren, war ein Anliegen, bei dem Fotograf Bönig bereitwillige Unterstützung bekam. „Als wir von dem Projekt hörten, waren wir sofort begeistert – zumal der karitative Gedanke die Unternehmung noch bedeutender macht. Mobil zu sein, unterwegs zu sein und zu reisen, passt sowohl zu uns, als auch zu unseren Mietwagenkunden von CC Rent a car. Also dachten wir uns, mit einem Fahrzeug ist dem Trio am besten gedient und das ist etwas, mit dem wir gut helfen können“, erinnert sich Maximilian Groll, Marketingleiter bei der CCUnirent System GmbH, dem Markeninhaber von CC Rent a car.

Mit dem Renault Kangoo von Nürnberg nach Sarajevo

Anfang September brach die Crew dann mit einem Renault Kangoo aus Süddeutschland auf. Die Reise führte zunächst durch Österreich, Slowenien und Kroatien bis nach Bihać im äußersten Norden Bosniens an der Grenze zu Kroatien. Das Gebiet um die 60.000-Einwohnerstadt bildete im Bosnienkrieg eine von serbischen Milizen umzingelte Enklave. Seit 1999 steht dort das Centar Duga, ein Kinderheim, das sich um zurückgelassene Säuglinge und Kinder kümmert und diese bis zur Vermittlung an Pflege- und Adoptiveltern betreut.

Die Kinder im Centar Duga sind fast zwei Jahrzehnte nach Kriegsende natürlich keine Kriegswaisen mehr, sondern Kinder von Frauen, deren Männer im Krieg gefallen sind, die aber noch im Familienverbund des Mannes leben. Werden sie von einem anderen Mann schwanger, gelten sie vor allem im ländlichen Raum als Ehebrecherin – ihre Kinder haben in diesem Umfeld keine Zukunft. Daneben leben viele Kinder von Eltern im Centar Duga, die von den traumatisierenden Kriegserlebnissen psychisch krank geworden sind oder die aus Familien stammen, in denen häusliche Gewalt an der Tagesordnung ist.

„Die Kinder vom Centar Duga nicht nur zu besuchen, sondern den Betreiber-Verein auch finanziell zu unterstützen, war ein zweites wichtiges Anliegen unserer Reise“, erklärt Bönig, der etwaige Erlöse aus der geplanten Versteigerung seiner Reisefotos dem Verein spenden will.

Viele Geschichten neuer Bewohner

Nach dem Besuch von Bihać führte die Reise der drei weiter nach Banja Luka, mit über 200.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Bosnien-Herzegowinas. Von ihr sagt der Volksmund aufgrund der zahlreichen Alleen, es gebe dort doppelt so viele Bäume wie Menschen.

Die Stadt selbst war durch die Kriegshandlungen nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings hat sich seit dem Konflikt die Zusammensetzung der Bevölkerung stark verändert.

So sind die meisten nicht serbischen Bewohner entweder geflohen oder vertrieben worden, während die Stadt auf der anderen Seite viele serbische Flüchtlinge aus anderen Teilen Bosniens aufgenommen hat.

„Dadurch ist heute jeder dritte Einwohner Banja Lukas Flüchtling oder Vertriebener, die Einwohnerzahl hat sich fast verdoppelt“, erklärt Bönig. Das präge nicht nur die einzelnen persönlichen Schicksale, sondern auch das öffentliche Leben in der wirtschaftsstärksten Region ganz Bosnien-Herzegowinas auf besondere Weise.

Davon gibt es viele Geschichten, die Bönig und seinen Begleitern ebenso begegneten wie die Konfrontation mit einem der traurigsten Kapitel des Krieges, das mit dem Namen Srebrenica verbunden ist. Nach dem dortigen Massaker, nach Flucht und Vertreibung war die Kleinstadt lange nahezu verlassen, mittlerweile sind einige Hundert Bosniaken wieder in die Gemeinde zurückgekehrt.

3.000 Kilometer in zweieinhalb Wochen

Oft durften sie auf ihrem Weg durch das großteils bergige Land die offiziellen Pfade nicht verlassen. Denn noch immer liegen im Boden Minen, sie alle zu räumen gilt als auf Jahre hinaus unmöglich. Trotz dieser Einschränkungen gelang es Bönig, Peichert und Rabenstein, oftmals nah an den Menschen zu sein. „Viele unserer Freunde hatten wiederum Freunde in Bosnien, deren Eltern uns bei sich aufgenommen haben“, sagt Bönig, „so konnten wir auch am Leben der Bosnier teilhaben und viele persönliche Gespräche führen.“ Einige davon und viele Bilder und subjektive Eindrücke hat der Fotograf in seinem Blog unter www.thomasdoes.com und www.facebook.com/thomas.does.project veröffentlicht.

Thomas Bönig Photography