ECOmobilität – Bund, Länder und Kommunen

Euro-6-Norm 2014, staatliche Subventionen für Automobilhersteller und Energieproduzenten, Investitionen in ökologische regionale Mobilitätskonzepte – Bund, Länder und Kommunen sind wichtige Treiber im Wandlungsprozess moderner Mobilität. Doch noch steckt vieles in den Kinderschuhen – und was dient am Ende eigentlich wirklich der Umwelt?

Umwelt- und Klimaschutz standen auf der politischen Agenda bislang ganz oben. Das Engagement der Regierungskoalition hat sich in einer ganzen Reihe von Verordnungen und Richtlinien niedergeschlagen. So wird im September 2014 die Euro 6-Norm für alle Neuwagen verbindlich; das soll den Schadstoffausstoß weiter reduzieren. Mittlerweile gibt es schon einige Euro 6-kompatible Modelle insbesondere deutscher Hersteller, deren Kauf der Staat bis Ende 2013 mit einem Steuerbonus von 150 Euro belohnt.

Auch sonst lässt sich der Bund die Förderung der vermeintlich absolut umweltfreundlichen Elektromobilität einiges kosten: Über eine Milliarde Euro floss in die Forschungsförderung für Elektroautos. „Nach einer Phase der Forschung und Entwicklung erwarten wir bei der batteriebetriebenen Elektromobilität ab 2015 den Eintritt in die Markthochlaufphase, das heißt eine breitere Verfügbarkeit von Fahrzeugen und eine höhere Akzeptanz“, erklärte Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, im September auf Anfrage von „Kraftstoff“.

Mit Blick auf die Zukunft betonte er: „Wollen wir die Elektromobilität in den nächsten Jahren entscheidend voranbringen, dann müssen wir sie vor allem alltagstauglich und für die Nutzer attraktiv machen. Schwerpunkte sind hier sicherlich die Weiterentwicklung innovativer technischer Lösungen, das Ausarbeiten von Konzepten für die Bereitstellung ausreichender Ladeinfrastruktur im öffentlichen, halböffentlichen und privaten Raum sowie das Schaffen attraktiver Rahmenbedingungen, wie beispielsweise privilegiertes Parken oder Nutzen von Fahrspuren.“ Daneben hat das Ministerium bereits vor längerer Zeit angekündigt, demnächst eine Regelung zur Einrichtung von Carsharing-Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum vorzustellen.

Eine Million Elektroautos bis 2020

Das erklärte Ziel, das mit diesen Mitteln erreicht werden soll, kann jeder nachlesen: Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen bringen. Diese Marke hat die Bundesregierung im „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ im August 2009 ausgegeben und deshalb die Förderprogramme aufgelegt. Im Vergleich zu den über 43 Millionen zugelassenen Pkw in Deutschland ist das freilich eine bescheidene Zielvorgabe. Im Hinblick auf die aktuelle Situation wirkt sie dagegen wieder äußerst ehrgeizig: So zählte das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg zum 1.1.2013 genau 7.114 zugelassene Elektro-Pkw.

Ist die 1-Million-Marke also unrealistisch? Nicht unbedingt, denn Forschungsergebnisse des Öko-Instituts e. V. Freiburg vom Beginn des Jahres 2012 zeigen: Die Zahl von einer Million Autos kann im Jahr 2022 überschritten werden; im Jahre 2030 könnten bereits sechs Millionen auf Deutschlands Straßen unterwegs sein.

Der Weg dorthin führt aber noch über eine Menge Forschung, die es zu fördern gilt. Eines der so genannten Schaufensterprojekte, das von öffentlichen Mitteln profitiert, ist RheinMobil in Karlsruhe. Ziel des Projekts ist es, am Beispiel von Dienst- und Pendlerfahrten zu zeigen, dass bestimmte Einsatzprofile einen wirtschaftlichen Betrieb von Elektrofahrzeugen möglich machen. Dazu bringen seit Mai 2013 die ersten Elektrofahrzeuge Pendler aus dem Elsass ins Karlsruher Michelin Werk. Auch Siemens-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind für Dienstfahrten zwischen den Werken Karlsruhe und dem elsässischen Haguenau auf Elektrofahrzeuge umgestiegen. Die täglichen Fahrstrecken betragen bis zu 360 Kilometer.

Wirtschaftlichkeitsmodelle für Flottenbetreiber erforschen

„Dadurch haben wir nach 24.000 Kilometern fast zwei Tonnen CO2 eingespart“, erklärt Dr. Olaf Wollersheim von der Projektleitung, „unser erstes Fazit lautet: Gerade der Pendlerverkehr ist extrem gut für den Einsatz elektrischer Fahrzeuge geeignet, da er hohe Jahresfahrleistungen erlaubt – auch bei wenigen festen Lademöglichkeiten, also ohne flächendeckendes Infrastrukturnetz.“ Derzeit ist der Betrieb der Fahrzeuge allerdings noch nicht wirtschaftlich – obwohl die Fahrer beim Bremsen rund 15 Prozent der eingesetzten Energie zurückgewinnen und so bei vorausschauender Fahrweise die Restreichweite erhöhen können.

Derzeit untersuchen die Forscher die Schnellladung der Batterie innerhalb von 30 Minuten und deren Einfluss auf die Performance. Wenn dies reibungslos klappt, könnten die Fahrgemeinschaften von drei Schichten bei Michelin jeweils das gleiche Fahrzeug nutzen – und dem wirtschaftlichen Einsatz einen großen Schritt näher kommen. Dieses Forschungsprojekt legt nahe, dass Elektrofahrzeuge kombiniert mit Carsharing die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Lösung in der Zukunft sind.

„Vor allem in den Modellregionen können wir mittlerweile auf wertvolle – auch dank einer intensiven Begleitforschung – Erfahrungen und Erkenntnisse zurückgreifen, die für die weitere Entwicklung der Elektromobilität von großem Nutzen sein werden“, erläutert Bomba den Zweck dieser vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderten Projekte.

Tatsächliche Auswirkungen auf die Umwelt

Doch wie umwelt- und nutzerfreundlich sind die Elektrofahrzeuge im Vergleich zu konventionellen Pkw beim Carsharing wirklich? Auch diese Forschung fördert der Bund. Eine aktuelle Untersuchung läuft gerade beim Öko-Institut e. V. Freiburg und dem ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung am Beispiel des Daimler-Tochterunternehmens car2go. Erste Ergebnisse stehen noch aus.

Generell stellt bei der Elektromobilität nicht nur der zusätzliche Strombedarf, der erst einmal umweltfreundlich gedeckt werden muss, sondern auch seltenes Erdmetall, das für die Produktion benötigt wird, ein Problem dar. Es wird wie etwa Dysprosium heute vorwiegend in China unter keineswegs „grünen“ Bedingungen gewonnen. Recyclingverfahren kommt daher künftig eine wichtige Rolle zu – sofern Ökologie und Ökonomie bald tatsächlich eine harmonische Allianz im Mobilitäts-Staat eingehen sollen.