ECOmobilität – Die Konsumenten

Ökologisch korrekt sollte es nach Möglichkeit schon sein, aber dabei höchstens ein bisschen teurer als konventionell und ganz sicher nicht weniger bequem – so lässt sich die Mainstream-Meinung der Bundesbürger auf den Punkt bringen. Etwas leichter hat es die ECOmobilität bei Firmenkunden. Denn der durchdachte, intelligente Einsatz in der Flotte sorgt dafür, dass sich Carsharing rechnet und Elektromobilität ohne wesentliche Einschränkungen funktioniert.

Teilen ist auf jeden Fall gut, Eigentum zwar nicht gleich unbedingt schlecht, aber irgendwie altmodisch: so lässt sich das Lebensgefühl einer Shareconomie (Abk. für Sharing Economy = Teilende Wirtschaftsgemeinschaft) auf den Punkt bringen. Wir teilen nicht nur unser (Privat-)Leben auf Facebook mit anderen, sondern gelegentlich auch das Auto. Deshalb liegt Carsharing derzeit voll im Trend der jungen urbanen Generation. Inzwischen gibt es rund eine halbe Million Carsharing-Nutzer in Deutschland, zu Beginn des Jahres zählte der Bundesverband CarSharing e. V. 11.250 „geteilte“ Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen, Tendenz steigend.

Dabei diversifiziert sich das Angebot in stationsgebundene und so genannte Freefloating-Fahrzeuge, die überall im Stadtgebiet geparkt werden können und von denen es immer mehr gibt. Den Markt bestreiten rund 150 Anbieter, darunter die Carsharing-Firmen der Automobilhersteller – car2go, DriveNow oder Quicar–, und zahlreiche unabhängige Unternehmen. Dabei ist Carsharing längst keine Erscheinung der Großstädte mehr – insgesamt findet sich in rund 350 deutschen Städten und Gemeinden ein Carsharing-Angebot. Heimliche Hauptstadt des geteilten Autos ist Karlsruhe – mit den meisten Anbietern und den meisten Fahrzeugen pro Einwohner.

Auf das eigene Auto verzichten?

Dafür, dass es künftig noch mehr Menschen geben wird, die lieber ein Auto kurzzeitig mieten beziehungsweise teilen, spricht Einiges. So hat laut einer Umfrage der CreditPlus Bank AG die Bereitschaft zum gemeinsam genutzten Auto unter den Fahrern ohne eigenes Auto erstmals die Zehn-Prozent-Marke geknackt, gleichzeitig werden weniger Autos gekauft. Fahrrad, Mitfahrzentralen und öffentlicher Personennahverkehr erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Was dagegen in den Augen vieler im Moment an Attraktivität verliert, ist das Elektroauto. Laut CreditPlus-Umfrage sinkt die Zahl derer, die sich überhaupt vorstellen können, ein Elektroauto zu kaufen: So können sich das aktuell 59 Prozent der Deutschen vorstellen. Das sind drei Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. Verantwortlich für diesen Rückgang sind wachsende Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge. Und selbst wenn diese ausgeräumt sind: Nur 17 Prozent der Deutschen würden sich eines anschaffen, wenn dies mit Mehrkosten verbunden wäre – Umwelt hin oder her.

Ein Viertel wäre dazu nur dann bereit, wenn das Elektroauto nicht teurer als ein vergleichbares Modell mit herkömmlicher Motortechnik wäre. Für weitere 17 Prozent kommt der Kauf eines Elektroautos nur in Frage, wenn dieser staatlich gefördert wird. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 22 Prozent. Der Hauptgrund für die Skepsis: Die Reichweite einer Batterieladung wird als zu kurz empfunden. 30 Prozent geben das als Hinderungsgrund an.

Hauptsächlich Firmen setzen auf Elektro

Zwar sind die Neuzulassungen bei Elektrofahrzeugen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts im ersten Halbjahr 2013 um 68 Prozent gestiegen. Doch insgesamt machen die Elektroautos nur 0,2 Prozent an den gesamten Neuzulassungen aus. Zuwächse gab es außerdem vor allem bei den Firmenwagen. Schon 2012 machten Dienstwagen fast die Hälfte aller in diesem Jahr zugelassenen Elektroautos aus.

Elektroautos als Dienstwagen werden seit 1. Juli 2013 zudem steuerlich gefördert. So muss ein Arbeitnehmer, der seinen Firmenwagen auch privat nutzen darf, monatlich ein Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern oder aber ein Fahrtenbuch führen. Da Elektroautos teurer sind als herkömmliche Wagen mit Verbrennungsmotoren, hatten Nutzer eines Strom-Firmenwagens bislang wegen höherer Listenpreise auch einen größeren geldwerten Vorteil zu versteuern. Daher wird die Bemessungsgrundlage bei Elektroautos nun pauschal gemindert.

80 Prozent der Firmenflotte elektrisch

Das freut die Arbeitnehmer, doch auch die Unternehmen, die sich durch die Aufnahme der Elektrofahrzeuge gern umweltbewusst geben. Sie alle profitieren von zukünftigen Entwicklungen, so dass das Elektroauto über den Umweg „Firma“ mehr private Akzeptanz erfahren wird. Im Juli startete mit „eFahrung“ etwa ein Forschungsprojekt zur Erprobung eines Geschäftsmodells für die gemeinschaftliche, flottenübergreifende Nutzung von Elektrofahrzeugen in Unternehmensflotten. Ziel dabei ist es, eine Softwareinfrastruktur für die flottenübergreifende Optimierung der Fahrzeugausnutzung und die Integration von Dienstleistungen für Flottenbetreiber aufzubauen.

Auch das Projekt „Future Fleet“ bei der SAP AG beschäftigte sich mit der Frage, wie sich Elektroautos in Betriebsflotten integrieren lassen. Dabei wurden Daten von 27 rein elektrischen Dienst- und Poolfahrzeugen aus der SAP-Firmenflotte im Detail ausgewertet. Das Ergebnis: Ein Fünftel der Dienstwagen der SAP AG könnte bis zum Jahr 2030 rein elektrisch betrieben werden. Kommen Plug-In-Hybridfahrzeuge hinzu, die sowohl elektrisch als auch mit einem konventionellen Antrieb fahren, könnten sogar bis zu 80 Prozent der Firmenflotte Elektrofahrzeuge sein.

Nur sinkende Kosten befördern Elektromobilität

Dreh- und Angelpunkt aber wird sowohl für private als auch für gewerbliche Nutzer der Kostenfaktor bleiben. Doch hier ist die Aussage von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Öko-Instituts eindeutig: Für die Daimler AG kamen sie zu dem Ergebnis, dass der heute noch bestehende Kostennachteil von Elektroautos bis 2020 auf etwa 20 Prozent des heutigen Werts sinken wird.

Im Jahr 2030 bescheinigen sie Elektrofahrzeugen in den meisten Fahrzeugklassen sogar einen Kostenvorteil gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Wenn dann also in gut 15 Jahren die Lust am Teilen und die Geiz-ist-geil-Mentalität gleichzeitig angesprochen werden, gelingt der ECOmobilität mit Sicherheit der Durchbruch.