ECOmobilität – Die Anbieter

Warf man den Anbietern von Mobilität – Automobilherstellern wie Autovermietern – vor wenigen Jahren noch gern vor, den Öko-Trend verschlafen zu haben, zielen sie jetzt mit kreativen Konzepten auf den Zeitgeist. Noch aber fehlt für vieles davon oftmals die Infrastruktur – von fehlenden Stellplätzen für Carsharing-Fahrzeuge bis hin zur mangelnden Lademöglichkeit für Elektroautos.

„Die Autoindustrie ist noch nicht da, wo die Kirche ist“, schrieb vor zwei Jahren das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und spielte damit auf die noch langsam schwindende Fangemeinde klassischer Autokäufer an. Hauptsache, es fährt, das war und ist die Devise vieler jüngerer Menschen und den Herstellern schwerer und immer größerer Autos liefen schlicht die Käufer weg. Ideen waren gefragt, um das Geschäft auch nach diesem Wertewandel nachhaltig für die Zukunft aufzustellen.

Inzwischen sind viele dieser Ideen Realität geworden. Die Automobilhersteller produzieren mehr Elektroautos; mit vier zu 100 Prozent elektrisch angetriebenen Modellen steht Renault heute weltweit an der Spitze aller Hersteller von Elektrofahrzeugen. Generell wachsen die Modellpaletten in ökologischer Richtung, denn es werden immer mehr Hybridfahrzeuge produziert. Wurden allerdings vor zwei Jahren noch Strom-Autos auf den chinesischen und asiatischen Automessen geradezu gehypt, sind dort wieder die Verbrennungsmotoren die neuen, alten Stars.

Es gibt Entwicklungen – aber Probleme bleiben

Was aktuell in China nicht läuft, sucht sich nun seinen Markt in Deutschland. So versucht BMW mit einem Kampfpreis für seinen i3 den Elektroautomarkt aufzurollen – das Modell kostet in etwa so viel wie ein gut ausgestatteter herkömmlicher 3er. Damit ist zumindest das Preisargument schon einmal vom Tisch. Der i3 fährt im Elektromodus außerdem maximal 120 Stundenkilometer schnell.

Was für ein Elektrofahrzeug schon ganz ordentlich ist – bei der Mehrheit der Modelle ist bei einer Maximalgeschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometern bereits Schluss. Andererseits dauert es auch beim i3 immer noch eine gehörige Weile, ehe er geladen ist, die Reichweite ist überschaubar. Mehrstündige Ladezeiten und Reichweiten unter 100 Kilometern sind generell immer noch das größte Problem der Elektrofahrzeuge.

Zwar gibt es bei bestimmten Elektroauto-Modellen mittlerweile die Möglichkeit, eine entladene Batterie gegen eine geladene auswechseln zu lassen und damit Lade- und Wartezeit zu vermeiden. Doch dazu muss die Batterie im Auto zwischen den Achsen sitzen und der Fahrer zum Batteriewechsel eine Station finden, wo eine Anlage den Austausch automatisch vornimmt. Die flächendeckende Infrastruktur für derartiges fehlt derzeit aber ebenso wie schon die schlichte Lademöglichkeit.

Dass die Infrastruktur das eigentliche Problem ist, haben auch die Hersteller erkannt – und versuchen, ihren Teil zu ihrem Ausbau beizutragen. So stellte etwa Volvo, dessen Kunden sich laut aktueller Forschung mit der größten Leidenschaft mit ihrer Fahrzeugmarke identifizieren, gerade die Studie eines visionären Aufladezelts vor, unter dem das Elektroauto geparkt wird. Es sieht nicht nur sehr schick aus, sondern lädt das Fahrzeug per Strom, der direkt über die Solarzellen auf der Außenhaut gewonnen wird, auf – mit dem Auto verbunden über einen Stecker. Noch ist dies allerdings lediglich eine Designidee.

Erst wenige Elektrofahrzeuge in der Autovermietung

Die Autovermieter investieren heute verstärkt in grüne Flotten und beziehen nachhaltig erzeugten Strom. Doch auch wenn CO2-Emissionswerte als Verkaufsargument bei Angabe der Fahrzeuge im Internet und bei Aktionen beliebt sind – an erster Stelle steht die Wirtschaftlichkeit.

Die Begeisterung für den Einsatz von Elektrofahrzeugen hält sich so unter den großen Autovermietunternehmen derzeit noch in Grenzen. „Das liegt vor allem an der Nachfrage“, erklärt Stefanie Gerhardt, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Europcar, „die Kunden vertrauen den neuen Fahrzeugen noch nicht unbedingt“. Ihr Unternehmen, das sich von allen großen Anbietern bislang am stärksten für Elektromobilität engagiert hat, nimmt daher nach Ende der regulären Laufzeit der Elektroautos vorerst keine neuen Fahrzeuge mehr in die Flotte auf. Aktuell sind noch einige Opel Ampera im Raum Frankfurt am Main und Peugeot iOns in Düsseldorf im Einsatz, pro Marke zwischen fünf und sieben Fahrzeuge.

Bereits vor anderthalb Jahren vermietete Europcar auf der Insel Sylt erstmals den Citroën C-ZERO. Neben Europcar hat auch Avis schon Erfahrungen mit der Mobilität aus der Steckdose gesammelt und saisonal den Renault Twizy angeboten. Hertz und Sixt dagegen verzichten bislang ganz auf Elektromobilität; Sixt setzt derzeit lediglich über sein Carsharing Joint Venture DriveNow Elektrofahrzeuge von Partner BMW ein.

Neue Vermietmodelle für Nischenmärkte

Während die Wirtschaftlichkeit reiner Elektrofahrzeuge also derzeit noch kritisch zu sehen ist, sind neben Sixt auch weitere Vermietunternehmen bereits erfolgreich im Carsharing, dem zweiten großen Ökothema, aktiv. Generell entwickelt sich der Markt, an dem mittlerweile auch die Hersteller wie BMW, Daimler und VW über eigene Marken beteiligt sind, dynamisch. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Bundesverband CarSharing e.V. 453.000 Nutzer des geteilten Autos – so viele Menschen wie noch nie. Carsharing-Fahrzeuge gab es Anfang des Jahres immerhin bereits 11.250 in Deutschland.

Besonders stark gewachsen ist das Segment der stationsungebundenen freien Fahrzeuge, die innerstädtisch überall abgestellt werden können. Daraus lässt sich nicht nur schließen, dass die Deutschen in Zukunft tatsächlich bereit sein könnten, mehrheitlich auf ein eigenes Fahrzeug zugunsten von gemieteter Mobilität zu verzichten, sondern auch, dass die Art des Fahrzeugs immer dem Zweck geschuldet ist. Vermieten lässt sich fast alles, was Räder hat. Auch Fahrräder. Davon können Urlaubsregionen ein Lied singen. Ob das E-Bike allerdings für urbane Autovermieter ein Nischenpotenzial als Alternative zum ÖPNV hat, ist fraglich. Die Frankfurter ABG Holding hat etwa ihren Mietern jüngst 50 Elektrofahrräder zur Miete angeboten – diese wollten aber lieber ein eigenes, individuelles Fahrrad nutzen.