Pferdestärken vs. Ökologie

Der 83. Internationale Auto-Salon in Genf

Ein Genfer Autosalon ohne PS-Protze ist schlicht nicht vorstellbar. Und so präsentierte sich bei der 2013er-Auflage die Oberklasse mit kraftstrotzenden Boliden. Allen voran der Lamborghini Veneno, mit 3,57 Mio. Euro teuerster Straßenrennwagen der Welt. Wobei die Leistungsdaten von 551 kW/750 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 355 km/h eher auf eine Rennstrecke passen. Da mochte natürlich auch Mitbewerber Ferrari nicht zurückstehen und zeigte den LaFerrari für vergleichsweise günstige 1,25 Mio. Euro. Von dem Auto mit 800 PS, das von null auf 100 nicht einmal drei Sekunden benötigt, soll es nur 499 Exemplare geben.

Dagegen massentauglich ist der neue Golf VII, dem die Fachjournalisten in Genf das Prädikat „Car of the year“ (Auto des Jahres), verliehen. Doch auch dessen GTI-Version hat mit 220 PS so viel unter der Haube, wie keiner seiner Vorgänger. Dagegen geben sich die anderen Modellvarianten wie der Golf Blue-Motion und auch die Neuauflage des Kombis Golf Variant deutlich zurückhaltender. Der TGI BlueMotion soll es dank Gas- und Benzinantrieb auf eine Reichweite von fast 1400 Kilometern bringen und den TDI feierte VW als „sparsamsten Golf Variant aller Zeiten“. Dessen 110 PS-Maschine soll sich mittels 6-Gang-Getriebe mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,3 l/100 km zufriedengeben. Erstmals war bei den Wolfsburgern zudem der allradgetriebene Golf Variant 4MOTION zu sehen. Den neuen Golf gibt es als Dreitürer ab rund 17.000 Euro.

0,9 Liter auf 100 km

Bisher nur als Vorserienmodell existiert der XL1, laut VW das effizienteste aller Serienautos. Mit einem Plug-In-Hybrid kann der Zweisitzer bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren mit einer Leistung von 8,4 PS und einer konstanten Geschwindigkeit von 100 km/h. Das Hybridsystem besteht aus einem Zweizylinder-TDI mit 48 PS, einer E-Maschine (20 kW), einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) und einer Lithium-Ionen-Batterie (Kapazität: 5,5 kWh). Damit soll der XL 1 auch dank Leichtbauwiese auf einen Verbrauch von 0,9 l Diesel/100 km kommen und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreichen. Der Hybrid wird voraussichtlich in einer Kleinserie von 250 Modellen als Leasingfahrzeug auf den Markt kommen und das noch im ersten Halbjahr 2013. Der Preis ist allerdings noch nicht bekannt.

Komplette Vision ist noch der Micromax des Schweizer Tuners Frank M. Rinderknecht. Dessen Konzept ist klar: „Ich will den urbanen Verkehr revolutionieren“. Folglich entwickelte er einen elektrobetriebenen Van mit Stehsitzen, der als eine Art Minibus außer dem Fahrer noch bis zu drei Personen befördern kann. „Micromax will potentielle Mitfahrer animieren, einzusteigen und mitzufahren, weil es eben äußerst bequem und unkompliziert ist“, unterstreicht der Tüftler. Wobei bequem wörtlich zu nehmen ist, denn der 3,6 Meter lange und 2,2 Meter hohe Minivan bietet Kaffeemaschine, Kühlschrank fürs Feierabendbier der Mitfahrer und unlimitierte Internet-Konnektivität zum mobilen Arbeiten oder zur Unterhaltung. Per App sollen sich dann in Zukunft feste Fahrgemeinschaften vereinbaren lassen, aber auch spontane Mitfahrten. Wenn das Konzept tatsächlich in Serie gehen sollte, wird der Micromax voraussichtlich ab 5000 Euro zu haben sein.

Audi zeigt Hybride vom A6 und Q5

Unter den 900 Premieren in Genf waren nach Angaben des Veranstalters rund zehn Prozent umweltfreundliche Autos, die entweder mit alternativer Energie angetrieben werden oder weniger als 100 g/km CO2 ausstoßen. Dazu gehörten auch die beiden Hybride von Audi, die A6 Limousine und der Q5. Der A6 bezieht seine Leistung von 245 PS aus einer Kombination eines 211 PS starken Verbrennungsmotors mit einem 54 PS-Elektromotor. Er soll laut Audi bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h rein elektrisch fahren können. Den Normverbrauch geben die Ingolstädter mit 6,2 Litern pro 100 km an. Etwas durstiger ist der Q5 hybrid quattro mit 6,9 Litern. Dafür erreicht er ebenfalls mit einem 245 PS-starken Kombiaggregat auch eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h. Allerdings muss der Käufer dafür auch mindestens rund 54.000 Euro investieren, der A6 hybrid liegt im selben Rahmen.

In anderen Preisregionen sind die Familienautos, Vans und SUVs. Beim Peugeot 2008 und Renault Captur setzen die Hersteller auf Bewährtes, sie basieren auf den Stadtautos Peugeot 208 und Renault Clio. Und während Citröen mit dem Van C4 Picasso nur Modellpflege betreibt, will sich Opel einen neuen Markt erschließen mit dem Cabrio Cascada. Er bietet Ausmaße wie der 3er BMW, kostet aber mit rund 26.000 Euro erheblich weniger. Wesentlich günstiger noch soll der GQ3 des chinesischen Herstellers Qoros sein. Experten erwarten einen Marktstart der Mittelklasselimousine in Deutschland allerdings erst 2014/15. Dann soll es einen Dreizylinder mit 136 PS, sowie einen Turbo mit 180 PS geben.

Trotz der schwierigen Marktlage für die Hersteller, etwa angesichts der europäischen Finanzkrise, blieb die Besucherzahl beim 83. Auto-Salon Genf in den elf Tagen mit rund 690.000 nur knapp unter dem Vorjahr. „Wir sind mit diesen Zahlen äußerst zufrieden“ erklärt der Messepräsident, Maurice Turrettini. Als internationalster aller Automobil-Salons begrüße man rund 40 Prozent der Besucher aus dem Ausland. „Im Hinblick auf die schwierige Wirtschaftslage in den umliegenden Nachbarländern, wäre ein deutlicher Rückgang durchaus denkbar gewesen. Die Anziehungskraft der Veranstaltung ist jedoch intakt geblieben“, unterstreicht Turrettini. So hätten sich auch die Aussteller bei einer Umfrage zufrieden gezeigt mit dem Verlauf. Der 84. Internationale Auto-Salon in Genf findet vom 6. bis 16. März 2014 statt.

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