Assistenzsysteme – Was macht Sinn?

Noch nie waren Autos so sicher wie heute. Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland war seit Beginn der Erfassung noch nie niedriger. Autofahren war noch nie so komfortabel wie heute. Das alles hängt vor allem auch mit den immer ausgefeilteren Assistenzsystemen zusammen, die uns das Steuern der Fahrzeuge leichter machen. Das Angebot ist riesig – und wird immer größer. Doch: Was macht wirklich Sinn und was ist Schnickschnack? Und: Was davon brauchen Mietfahrzeuge?

Fragt man Autohersteller und Wissenschaftler, können es eigentlich nie genug Assistenzsysteme sein – zumal, wenn es nicht nur technische Spielereien sind. Von den rund 3.600 tödlichen Autounfällen im vergangenen Jahr sind Experten zufolge 95 Prozent auf menschliches Versagen zurückzuführen: Übermüdung, Unachtsamkeit, Fahrfehler oder überhöhte Geschwindigkeit waren beispielsweise die Unfallursachen. Assistenzsysteme könnten helfen, die Zahl der Verkehrstoten weiter zu senken.

Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeiten derzeit an einem System zum automatischen Einparken. Dabei geht es freilich nicht um die bereits bekannten und in vielen Modellen schon serienmäßig eingebauten Einparkhilfen, um unfallfrei in enge Parklücken zu kommen. „Valet-Parking“ heißt das neue Zauberwort. Per Knopfdruck auf dem Smartphone könnte sich das eigene Auto in Zukunft selbst einen Parkplatz suchen – und auch von selbst zurückkommen.

Das Auto der Zukunft, das von selbst einparkt

Noch ist dieser automatische Parkdienst zwar nicht marktreif, er wird aber vermutlich schneller Realität, als manch einer glauben mag. DLR-Forscher Karsten Lemmer ist davon überzeugt, dass sich das Autofahren in den kommenden Jahren extrem verändern wird: „Wenn ich vor zehn Jahren etwas vom automatischen Einparken erzählt habe, haben die Leute abgewunken.“ In Versuchsparkhäusern funktioniert die von den Braunschweiger Forschern entwickelte Technik im Probebetrieb bereits.

Schon heute sind etliche Assistenzsysteme beinahe serienmäßig in allen Fahrzeugen vorhanden. So zum Beispiel das Antiblockiersystem (ABS), die Antriebsschlupfregelung (ASR) oder auch das damit technisch verwandte Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das durch ein gezieltes Abbremsen einzelner Räder einem Ausbrechen des Fahrzeugs entgegenwirkt. Natürlich gehören auch die heute allgegenwärtigen Navigationssysteme dazu – wer möchte heute noch per Faltkarte navigieren?

Bei den großen Autovermietern gibt es im Umgang mit den Assistenzsystemen große Unterschiede. Während etwa bei Europcar nur Airbags und ABS als Standard vorausgesetzt werden können, sind es bei Hertz zusätzlich noch Navigationsgeräte; jedoch nur, wenn man entsprechende Wagengruppen reserviert. Avis macht zum Thema Assistenzsysteme gar keine Angaben – und Sixt verweist auf die bei den jeweiligen Autobauern übliche Serienausstattung mit verschiedenen Assistenzsystemen.

Mietwagen haben oft viele Assistenzsysteme

Bei CC Rent a car ist die Ausstattung mit standardmäßig vorhandenen Assistenzsystemen üppiger. „Uns ist es wichtig, uns als regional verankerter Mittelständler beim Angebot und im Service von den großen Mitbewerbern abzuheben“, so Bego Jasenac, Prokurist bei der CCUnirent System GmbH und Gesamtverantwortlicher für den Bereich Flotte. Neben Navigationsgeräten und Tempomat verfügen die Mietwagen bei den CCUnirent Systempartnern mit Nutzungsrecht der Marke CC Rent a car über eine Freisprecheinrichtung via Bluetooth, Abstandskontrolle, Start-Stopp-Systemen, ESP, ABS sowie Berganfahrassistenten.

Bei Europcar sind vor allem in den gehobeneren Fahrzeugkategorien serienmäßig auch ESP und Einparkhilfen vorhanden. Auf die konkrete Ausstattung der Fahrzeuge habe man jedoch nur sehr bedingt Einfluss, erläuterte eine Unternehmenssprecherin. In der Europcar Flotte befänden sich im Schnitt 40.000 Fahrzeuge, das Durchschnittsalter liegt bei gerade einmal drei Monaten, länger als sechs Monate ist kein Fahrzeug ein Europcar-Mietwagen.

„Das heißt, jeder Autovermieter ist auch ein großer Gebrauchtwagenproduzent“, sagt die Europcar-Sprecherin. Für die Vermarktung dieser Gebrauchtwagen seien dann die Hersteller oder Importeure verantwortlich. Deshalb konfigurieren die Hersteller die Mietfahrzeuge bereits vor dem Verkauf an die Vermieter entsprechend ihres späteren Zielmarktes: „In der Regel sind Mietwagen deshalb mit etlichen Assistenzsystemen ausgestattet.“ Deshalb gebe es aber auch noch Autos ohne Navi.

Vermieter nicht einig, was alles sinnvoll ist

Bei Sixt wechseln die Assistenzsysteme je nach Fahrzeughersteller und Modell. Gegen Aufpreis seien alle für die jeweiligen Fahrzeugtypen überhaupt verfügbaren Komfort- sowie Assistenzsysteme wie beispielsweise Standheizung, Spurhalteassistent, Distanzregelung, Tempomat oder Head-up-Display buchbar. „Wir richten uns da ganz nach den Wünschen unserer Kunden“, erläutert ein Sixt-Sprecher: „Deshalb werden prinzipiell keine Ausstattungsmerkmale ausgeschlossen oder nicht angeboten.“

Während man in München „alle Assistenzsysteme, die der Sicherheit sowie der Flexibilität und dem Komfort des Kunden dienen, als überaus sinnvoll“ erachtet, sieht man das bei CC Rent a car etwas differenzierter. Vierradantrieb, Automatikgetriebe, Spurwechselassistent, Müdigkeitserkennung oder auch Verkehrszeichenerkennung könne man bei vielen Modellen gegen Aufpreis hinzu buchen, alle derzeit auf dem Markt verfügbaren Systeme hält man im Mittelständler-Netzwerk aber nicht für sinnvoll.

„Der radargestützte Abstandsassistent ist absolut sinnvoll und eine echte Bereicherung. Online-Funktionen in Navigationsgeräten sind nicht zwingend erforderlich und werden deshalb von uns kaum mitangeboten“, erläutert Bego Jasenac, weil sie entweder keinen echten Mehrwert böten oder das Fahren nicht sicherer oder komfortabler machten. Einig sind sich die Vermieter jedoch alle in einem Punkt: Da alle Mietwagen maximal sechs Monate alt seien, gebe es mit den Systemen nur selten technische Probleme – und falls doch einmal, seien es Garantiefälle.

Neue E-Klasse soll Frontalcrashs verhindern

Der technische Fortschritt in diesem Bereich geht jedenfalls unaufhörlich weiter. Mercedes rüstet derzeit seine neue E-Klasse auf. Ohne Mitwirken des Fahrers soll das neue Modell eine automatische Vollbremsung für Fußgänger auslösen oder auch eine Kollision mit dem Gegenverkehr verhindern können. Auf Teststrecken funktioniert das neue System schon jetzt fehlerfrei, der zentrale Technik-Baustein ist neben verschiedenen Radarsensoren eine Stereo-Kamera vor dem Innenspiegel.

Besonders die Anti-Kollisions-Technik könnte etliche schwere Autounfälle verhindern. Anders als bei den heute üblichen Spurhalteassistenten, die meist nur Alarmtöne oder Vibrationen auslösen, wenn ein ungewolltes Überschreiten der Fahrbahnmarkierung erfolgt, greift das Mercedes-System aktiv in den Lenkvorgang ein. Die Lenkung selbst wird nicht betätigt, sondern einzelne Bremsen angesteuert – so, als würde man beim Schlittenfahren die Schuhe in den Schnee drücken und damit steuern.