Besser billig?

Preissensibilität bei Autovermietflotten

Die Deutschen sind Schnäppchenjäger. Oder zumindest preisbewusst. Auch, wenn es um Autos geht. Günstige Marken wie Dacia oder Chevrolet erfreuen sich bei den deutschen Autokäufern wachsender Beliebtheit – zumal in den meisten Modellen keine schlechte, sondern lediglich etwas ältere Technik großer Hersteller wie Opel oder Renault steckt. Im Vermietbereich allerdings finden sich Modelle der Billigmarken bislang kaum, obwohl auch hier der Preis zählt. Das hat gleich mehrere Gründe.

Wer in den 80er oder 90er Jahren beim Urlaub auf den Kanaren oder den Balearen einen Mietwagen buchen wollte, hat mitunter große Augen gemacht. Dem komfortverwöhnten deutschen Autofahrer wurden dort Fiat Unos, Seat Marbellas und andere Klein- und Kleinstwagen angeboten, die man bei Autovermietern in Deutschland niemals zu Gesicht bekommen hätte – und schon gar nicht zu diesem Preis. Das alles hat sich freilich geändert. Auch im Urlaub kann man heute Premiummodelle mieten.

Doch der Vermietmarkt insgesamt ist in Bewegung. In vielen ost- und südosteuropäischen Ländern der EU gehören Dacia & Co. längst zum Standardportfolio der Vermieter. Denn deren Kunden wollen und brauchen aus wirtschaftlichen Gründen die Option auf einen günstigeren Mietwagen, als es mit Modellen von Volkswagen, BMW oder Mercedes möglich wäre. Auch in Deutschland gibt es einige wenige kleine und mittelständische Vermieter, die Modelle von Dacia oder Chevrolet im Angebot haben.

Der unerwartete Dacia-Erfolg

Doch offen darüber sprechen will niemand. Weder die einzelnen Vermieter, noch Hersteller Dacia. Gerade beim rumänischen Autobauer liegt die Zurückhaltung sicher auch darin begründet, dass der französische Mutterkonzern Renault nicht so gerne über den nach wie vor für viele Branchenkenner überraschend großen Erfolg der Billigmarke spricht. Eigentlich wollte Renault mit seiner Marke Dacia Osteuropa sowie die Schwellenländer in Asien und Südamerika erobern – und nicht Westeuropa.

Die Erklärungen der großen Autovermieter, weshalb sie in ihren Fuhrparks nicht auch über Modelle von besonders günstigen Herstellern verfügen, sind unterschiedlich. Während Avis zu diesem Thema gänzlich schweigt, antwortet Hertz einsilbig: „Bei Hertz stehen Qualität und Service im Vordergrund. Dies spiegelt sich auch in unseren Angeboten wieder.“ Auch Antworten auf die Frage, ob in anderen Märkten bereits Erfahrungen mit Modellen von günstigen Herstellern gemacht wurden, gibt es nicht.

In München gibt man sich etwas auskunftsfreudiger: „Sixt schließt prinzipiell keine preisgünstigeren Marken vom Angebot aus.“ Die Flotte umfasse auch günstige Kleinwagen aller vertretenen Hersteller sowie günstigere Alternativmodelle zu den etablierten Fahrzeugmodellen wie dem VW Golf und dem 3er BMW. „Insofern steht auch preisbewussten Kunden ein breites Angebot zur Auswahl“, erklärt ein Sixt-Sprecher. Die Zusammensetzung der nationalen Flotten richte sich nach den Kundenwünschen.

Sixt-Devise: Premium statt billig

Ganz generell stuft sich der Mietwagenkonzern als „Premium-Anbieter“ ein, deshalb biete man den Kunden eine „moderne, attraktive und hochwertige Vermietflotte“ an. Damit trage man wachsenden Ansprüchen der Kunden Rechnung – hauptsächlich mieten bei Sixt nach eigenen Angaben Firmen- und Geschäftskunden. „Die Fahrzeuge verfügen in der Regel über eine entsprechende Motorisierung und höchste technische Funktionalität sowie Komfortausstattungen“, sagte der Firmensprecher weiter.

Genau damit aber können viele billigere Marken nicht punkten. Deren „Erfolgsrezept“ lautet in der Regel nämlich Zweitverwertung. Die Technik stammt von älteren Modellen der Premiummarken im Konzern – bei Dacia ist das Renault, bei Chevrolet ist das Opel oder GM. Zum Einsatz kommen billige und robuste Teile. Oft haben verschiedene Modelle sogar identische Bauteile wie Türen und Fenster. Aber bei der Sicherheitstechnik hinken sie, zumindest in den Einstiegsversionen, meistens hinterher.

Gleichwohl: Immer mehr Autokäufer entscheiden sich wohlwissend dennoch für solche Modelle. Auch, weil das Automobil in Deutschland nach und nach seine Funktion als Statussymbol einbüßt. Das Bewusstsein in der Bevölkerung ändere sich, sagt Maximilian Groll, Marketingverantwortlicher für das Franchisesystem CC Rent a car: „Für viele ist es mittlerweile wichtiger ein Fahrzeug nutzen zu können, als ein vorzeigbares Prestigeobjekt zu haben.“ Bei Autovermietern allerdings halte sich das „Billigmarken-Image“ offenbar hartnäckig.

Der Wandel des Marken-Image

Noch vor 20 Jahren war es in Deutschland deshalb auch kaum vorstellbar, einen Fiat oder Seat als Mietwagen anzubieten. Heute ist das Gang und Gäbe. Zum einen, weil Automarken, die früher als billig angesehen wurden, einen Produkt- und Image-Wandel vollzogen haben. Viele der einstigen Billighersteller böten heute „qualitativ hochwertige und technologisch fortschrittliche Produkte an“, erläutert Groll. CC Rent a car habe preiswerte Marken wie Renault, Kia, Skoda und Fiat im Angebot.

Das Image-Problem ist aber sicher nur ein Grund, weshalb Dacia & Co. im Vermietbereich bislang noch keine oder kaum eine Rolle spielen. Einer der Hauptgründe dürfte sein, dass die Hersteller von besonders günstigen Fahrzeugen weder die Margen noch den Willen haben, großen Vermietern die gleichen Einkaufsrabatte zu gewähren, wie dies die Hersteller von Standard- oder Premiummarken tun. Zudem ist der Wertverlust bei Modellen von Billigherstellern in kurzer Zeit besonders hoch.

Damit erklärt auch Europcar den Verzicht auf besonders preisgünstige Marken in der Flotte. Es gebe einen großen Kreis an Kunden, die sich beim privaten Autokauf mit günstigen Marken beschäftigten, sagte eine Sprecherin: „Kaufentscheidend sind hier die günstigen Kosten bei der Anschaffung wie auch beim Unterhalt des Fahrzeugs.“ Bei Vermietern setzten sich die Kosten jedoch völlig anders zusammen, die Kostenstruktur etwa für Unterhalt oder Abschreibung sei bei jeder Marke gleich.

Billigmietwagen – eine Utopie?

Das bedeutet im Klartext: Die Ein- und Aussteuerung eines Fahrzeugs in die Vermietflotte kostet, egal welches Modell und welcher Hersteller, immer das gleiche, weil die Kfz-Zulassung oder der Transport der Fahrzeuge an ihren Einsatzort oder die Kosten für Reinigung und Wagenservice immer dieselben sind. „Das bedeutet, dass Fahrzeuge innerhalb einer Kategorie mit Modellen vergleichbarer Größe und Ausstattung aus betriebswirtschaftlichen Gründen zum selben Preis vermietet werden müssen.“

Kurzum: Vielleicht gäbe es bei einigen Kunden tatsächlich das Interesse an besonders preiswerten Mietfahrzeugen – die große Masse machen sie mittlerweile aber noch nicht aus. Und solange man bei Vermietern in Fahrzeuggruppen reserviert und demnach für einen Dacia und VW den gleichen Preis bezahlen müsste, wird sich die Idee vom Billigmietwagen kaum in der Fläche durchsetzen und in der Nische bleiben. Oder aber die Billig-Hersteller mausern sich nach oben – etwa wie einst Seat.