Zusammenschlüsse: Gemeinsam stärker?

In der großen Welt der Mietwagenbranche scheint die Liebe zur Fusion ungebrochen – Hertz kaufte im vergangenen Sommer endlich Dollar Thrifty, Buchbinder und Terstappen haben angekündigt, sich zusammenzuschließen. Trifft der Konzentrationsprozess auch den Mittelstand?

„Nachdem wir seit zwei Jahren unsere Flughafenstationen erfolgreich betreiben, ist nun zur Entfaltung weiteren Wachstums der richtige Zeitpunkt gekommen, beide Unternehmen gesellschaftsrechtlich zusammenzuführen“, lautete Ende vergangenen Jahres die Aussage Hubert Terstappens, geschäftsführender Gesellschafter der Terstappen Autovermietung GmbH & Co. KG, bei der Ankündigung des Zusammenschlusses seines Unternehmens mit Buchbinder rent a car.

Konrad Altenbuchner, geschäftsführender Gesellschafter der Buchbinder Unternehmensgruppe, ließ sich seinerseits mit den Worten zitieren: „Unsere Kunden profitieren neben einem noch größeren Stationsnetz in den Städten nun auch in Deutschland von einer Anbindung an die wichtigsten internationalen Flughäfen. Diese Erweiterung ist für uns ein großer Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens.“

Das klingt erst einmal vielversprechend. Doch wie der Zusammenschluss nun genau vonstattengehen soll und was die Zukunft konkret bringt, darüber schweigen sich beide Unternehmen aus. Denn eines ist klar: Zusammenschlüsse bringen zwar viele Chancen mit sich, stellen beide Partner aber auch erst einmal vor gewaltige Herausforderungen.

Die Integration muss gelingen

Wenn sich Unternehmen zusammenschließen, treffen regelmäßig zwei meist sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander. Die Mitarbeiter sind selten begeistert, steht doch stets die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, der Rationalisierungen zum Opfer fallen könnte, im Raum. Hinzu kommen zahlreiche Veränderungen in der täglichen Arbeit und nicht selten Kämpfe um doppelt besetzte Funktionen in den zentralen Bereichen.

Ehe unter diesen Voraussetzungen eine Integration erfolgreich abgeschlossen ist, gehen nicht selten Jahre ins Land, in denen Unternehmen nach Zusammenschlüssen häufig überwiegend mit sich selbst und weniger mit dem Markt beschäftigt sind. Hinzu kommt die finanzielle Seite: So hat die Übernahme von Dollar Thrifty dem US-Autovermieter Hertz zunächst einmal einen Verlust beschert – im Schlussquartal 2012 waren dies 36,4 Millionen Dollar, wie die Nachrichtenagentur Reuters vermeldete. Ein Jahr zuvor hatte der Branchenzweite noch einen Überschuss von 52,1 Millionen Dollar verbucht. Die Übernahme von Dollar Thrifty hatte Hertz 2,6 Milliarden Dollar gekostet.

Zahl der Autovermietungen wächst leicht

Jenseits der Branchenriesen steht der Mittelstand der Branche dem Thema Zusammenschluss eher verhalten gegenüber und verbleibt stattdessen in der Eigenständigkeit. So nimmt die Zahl der Autovermietunternehmen in Deutschland entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sogar zu. Das Statistische Bundesamt zählte im Jahr 2010 exakt 4.055 Autovermietunternehmen, davon wurden über die Hälfte als Einzelunternehmen geführt. Zusammen unterhielten sie 5.217 Niederlassungen.

Verglichen mit dem Jahr 2001, in dem es mit insgesamt 3.707 deutlich weniger Vermietungen als heute gab, sind nur diejenigen Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und einer Million Euro signifikant weniger geworden, ihre Anzahl hat entgegen dem Branchentrend bis zum Jahr 2010 um rund ein Drittel abgenommen. Selbiges gilt für die großen Unternehmen mit mehrstelligen Millionenumsätzen.

Um beinahe 60 Prozent und damit prozentual am deutlichsten ist dagegen die Zahl der kleinen Betriebe mit 50.000 bis 100.000 Euro Jahresumsatz gewachsen. Um rund 55 Prozent und damit ebenfalls deutlich gestiegen ist aber auch die Zahl der Unternehmen, die einen Jahresumsatz zwischen 250.000 und 500.000 Euro erwirtschaften.

Die Umsätze sinken eher

Während die Zahl der Unternehmen auf der einen Seite steigt, bröckeln auf der anderen Seite die Umsätze – der Kuchen, den sich die rund 4.000 Vermieter hierzulande teilen, wird eher kleiner. Betrachtet man dazu nur diejenigen Unternehmen, die weniger als 25 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, so ist ihr Gesamtumsatz von 2001 bis 2010 leicht von 2,24 auf 2,15 Milliarden gesunken.

Das Gesamtvolumen des Autovermietmarkts inklusive der großen Unternehmen lag 2010 laut Statistischem Bundesamt bei exakt 7,903 Milliarden Euro. Davon entfiel nur ein gutes Viertel auf diejenigen 4.025 Unternehmen mit weniger als 25 Millionen Jahresumsatz, die zahlenmäßig aber 99 Prozent der gesamten Branche ausmachen. Rein rechnerisch erwirtschaftete die durchschnittliche mittelständische Autovermietung damit einen Umsatz von etwas mehr als 500.000 Euro, ein Jahrzehnt zuvor waren es noch mehr als 600.000 Euro gewesen.

Wachstum: Fusion oder Kooperation?

Um in einem Verdrängungsmarkt wie der Autovermietung überhaupt noch wachsen zu können, drängt sich mit Blick auf die umsatzstärksten Unternehmen der Branche die Fusion als vermeintlich einzige Handlungsoption auf. Die Statistik offenbart aber, dass dies der Mittelstand ganz anders sieht. Die Gründe für das Verbleiben in der Eigenständigkeit liegen nicht nur in den ganz konkret damit verbundenen Schwierigkeiten, sondern auch der persönlichen Scheu davor, sein gesamtes unternehmerisches Schicksal an einen Partner zu binden.

Eine Alternative zur Fusion stellen schließlich auch Kooperationen aller Art dar. Das haben im Übrigen auch die Marktführer erkannt. So baut die Avis Autovermietung ihr deutsches Stationsnetz derzeit mittels Partnerschaften weiter aus. Seit Juni 2011 kamen 95 neue Partnerstationen hinzu: DB Reisezentren, Autohäuser, Autowerkstätten sowie bei verschiedenen NH Hotels.