Auf Kurs: Punktlandung für Volkswagen?

Volkswagen eröffnete vor wenigen Wochen unter der Flagge der konzerneigenen Autovermietung „Euromobil“ als erster Automobilhersteller eine Vermietstation an einem Flughafen – und tritt damit gegen die internationalen Autovermieter dort an. Welche Strategie steckt hinter diesem Schritt, und was planen die Niedersachsen für die Zukunft?

Mit glänzender Laune, einer Reihe bedeutender Manager aus dem Stammhaus und viel Lust auf Zukunft eröffnete Volkswagen respektive Euromobil Anfang März seine neue Vermietstation am Flughafen in Hannover. Es ist die erste Station, die das Autovermietunternehmen außerhalb eines Autohauses in Betrieb nimmt – und durch die Eigentumsverhältnisse auch die erste Station, die überhaupt ein Automobilhersteller an einem Flughafen eröffnet. Volkswagen war am Airport bislang schon mit seinem Carsharer Quicar vertreten.

Euromobil hatte bis dato sein Geschäft ausschließlich als reines Franchiseunternehmen ohne eigene Stationen betrieben. Stattdessen hatten die VW-Händler Lizenzen erworben und Fahrzeuge vermietet. Auf diese Weise kam innerhalb von zwei Jahrzehnten ein stattliches Stationsnetz zusammen, deutschlandweit sogar das größte mit über 2.600 angeschlossenen Händlern beziehungsweise Stationen. Ihr Hauptgeschäftsfeld war bislang der Unfallersatz. Doch nun nimmt die Volkswagen Leasing GmbH, der Euromobil inzwischen gehört, weitere Kundengruppen ins Visier – und das geht nicht ohne die Präsenz an wichtigen Hotspots außerhalb der Autohäuser.

Eigene Uniformen sorgen für den perfekten Auftritt

In gerade erst geschneiderten Euromobil-Uniformen empfangen die Mitarbeiter nun ihre ersten Kunden. Anbieten will man ihnen im Unterschied zu den Mitbewerbern vor Ort vor allem eines: „Keine Überraschungen beim Fahrzeug“, wie Dr. Woesthoff erklärt, „wer einen Audi bestellt, bekommt auch genau dieses Auto und eben keinen Honda derselben Klasse.“ Damit will sich Euromobil entscheidend von der Konkurrenz absetzen und gezielt Kunden ansprechen, die Wert auf die Marke legen. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt sei das große Stationsnetz im Hintergrund, auf das die Kunden zurückgreifen könnten, so Dr. Woesthoff.

Die Autohäuser müssen indes nicht befürchten, künftig etwa ihre eigenen Mitarbeiter mit Euromobil-Uniformen auftreten lassen zu müssen – eine Ausweitung der Corporate Identity auf die Lizenznehmer ist nicht geplant. „Wir sind nicht McDonald‘s und respektieren den eigenständigen Außenauftritt unserer Partner selbstverständlich auch weiterhin“, erklärt Dr. Woesthoff. Wie bislang auch erhalten die Lizenznehmer im wesentlichen Software und Know-how und profitieren von Werbung und Identifikationsartikeln.

Mit eigenen Mitarbeitern in sechs Autohäuser

Wenn Euromobil-Uniformen künftig aber doch in einzelnen Autohäusern auftauchen, so stecken auch Euromobil-Mitarbeiter drin. Denn das Unternehmen bereitet gerade den Aufbau von sechs eigenen Stationen innerhalb bestehender Autohäuser in der Hannoveraner Region vor.

„Wir können dieses Modell mit denjenigen Betrieben diskutieren, die bislang keine Autovermietung betreiben wollten“, so Dr. Woesthoff.

Das dürfte die Händler freuen, das Unternehmen Euromobil stellt aber so nicht zuletzt auch sicher, dass die vermietunwilligen Händler im Zweifel nicht eher mit dem Wettbewerb vor Ort kooperieren und ihre Unfallkunden dorthin vermitteln. Nach dem ersten Schritt in der Region Hannover mit sechs Retailbetrieben könnten weitere im Bundesgebiet folgen, und auch die Ausweitung der Präsenz an anderen Hotspots wie dem Flughafen Hannover steht im Raum.

Neues Geschäftsfeld mit Gewinnerzielungsabsicht

Von dem Einstieg in die Vermietung in Eigenregie verspricht sich Euromobil Einiges – auch wenn der Markt gerade an den umkämpften Flughäfen nicht einfach ist. „Wir gehen natürlich mit Gewinnerzielungsabsicht an den Start“, so Dr. Woesthoff. Diese Aussage überrascht nicht, liegt doch mittlerweile das Geschäft mit der Miete seit über einem Jahr nicht mehr nur in den Händen der Händler selbst, sondern auch in denen der Finanzprofis des VW-Konzerns.

Anfang des vergangenen Jahres hatte die Volkswagen Leasing GmbH die Euromobil GmbH übernommen, die bis dahin dem Audi- und VW-Händlerverband gehört hatte. Der wesentliche Vorteil, der den Händlern im Rahmen der Übernahme offeriert wurde, war die Möglichkeit, die Mietfahrzeuge künftig nicht mehr erwerben zu müssen, sondern selbst mieten zu können. Das bringt mehr Luft in deren Liquiditätsplanung und sorgt zudem für Flexibilität bei kurzfristigen Bedarfsschwankungen. Neben dieser sogenannten Partnermiete besteht aber für die angeschlossenen Händler auch weiterhin die Möglichkeit zum Kauf.

Sukzessiver Einstieg ins Vermietgeschäft

Die Volkswagen Leasing GmbH ihrerseits verschaffte sich durch die Übernahme von Euromobil die Möglichkeit, überhaupt erst in die Kurzzeitvermietung in Eigenregie einzusteigen. Denn genau dort verspricht man sich noch nicht gehobene Kundenpotenziale. Mittlere Mietzeiten decken schon lange die Händler perfekt ab, überwiegend im Werkstattersatzgeschäft, und die flächendeckende Langzeitmiete hat die Volkswagen Leasing GmbH vor drei Jahren eingeführt. Damit spricht sie besonders Geschäftskunden an, die etwa ihren Mitarbeitern in der Probezeit einen Firmenwagen zur Verfügung stellen wollen.

Mit dem Aufbau eigener Stationen für die Kurzzeitmiete besetzt der Konzern nun den letzten weißen Fleck im Mobilitätsangebot. Kunden werden künftig bei VW passgenau für jeden Bedarf bedient: vom Leasing, über die Langzeitmiete bis zur Kurzzeitmiete. Mit Quicar hat der Konzern zudem einen – wenn auch regional begrenzten – Carsharer im Angebot. Strategisch soll der Kunde komplett bedient werden. Alle glücklich zu machen, das kann den Niedersachsen mit der jüngsten Entwicklung durchaus gelingen – außer diejenigen, die eine andere Automarke bevorzugen.