Mercedes-Benz Rent: „Jede Vermietung auch eine Testfahrt“

Als letzter deutscher Automobilhersteller ist auch Daimler in das Vermietgeschäft eingestiegen und freut sich über 70.000 Vermiettage innerhalb der Pilotphase. Franz Reiner, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Bank, erklärt im Kraftstoff-Interview Motivation, Zielsetzung und das Besondere von Mercedes-Benz Rent.

Mercedes hat als letzter deutscher Automobilhersteller eine eigene Autovermietung eröffnet. Was hat Ihr Unternehmen zu diesem Schritt bewogen?

Franz Reiner: Die Kundenanforderungen für Mobilität verändern sich. Viele Kunden suchen für ihre persönliche Mobilität nach flexiblen Lösungen. Mit Mercedes-Benz Rent bieten wir jetzt ein Auto mit Stern für jeden Anlass: von der S-Klasse für die Hochzeit über den Kombi oder das Cabrio für den Wochenendausflug bis hin zum Ersatz-Fahrzeug beim Unfall. Natürlich werden auch Elektro-Autos im Angebot sein.

Welche Ziele verfolgt Ihr Haus mit Mercedes-Benz Rent? Gibt es konkrete Vorgaben, die man sich gesetzt hat?

Franz Reiner: Mit Mercedes-Benz Rent bieten wir unseren Kunden neben den klassischen Leasingangeboten und Finanzierungsverträgen ein zusätzliches Mobilitätsangebot direkt im Autohaus. Unsere Händler können dank Mercedes-Benz Rent neue Zielgruppen mit kurz- bis mittelfristigen Mobilitätsanforderungen für sich gewinnen. So schaffen wir zusätzliches Ertragspotenzial. Bereits innerhalb kürzester Zeit konnten wir über 70.000 Vermiettage nur mit den ersten drei Pilotbetrieben verzeichnen. Diese Zahl wird in den nächsten Monaten wegen der größeren Anzahl der beteiligten Niederlassungen steigen.

Wie passt die Autovermietung in die Gesamtkonzernstrategie?

Franz Reiner: Die Vermietung rundet unser Geschäftsmodell ab. Mit Mercedes-Benz Rent bauen wir unsere Mobilitätsdienstleistungen weiter aus und schließen die Lücke zwischen klassischem Leasing und dem Carsharing-Angebot car2go. Mercedes-Benz Rent erweitert das Geschäftsmodell der Mercedes-Benz Bank im engen Schulterschluss mit dem Handel, also vom klassischen Finanzdienstleister immer mehr zum Mobilitätsdienstleister.

Wie schätzt man in Ihrem Haus den Markt der Autovermietung generell ein?

Franz Reiner: Der zunehmende Wunsch vieler Kunden nach flexiblen Mobilitätslösungen wird das Thema Miete neben Carsharing in den nächsten Jahren weiter beflügeln. Mit car2go ist Daimler beim Carsharing schon Marktführer. Mit Mercedes-Benz Rent steigen wir jetzt auch ins Vermietgeschäft ein.

Ein gewisser Schwerpunkt der Modellpalette liegt auf den Nutzfahrzeugen. Welche Zielgruppen sprechen Sie besonders an?

Franz Reiner: Mercedes-Benz Rent ist aktuell auf das Pkw-Vermietgeschäft ausgerichtet. Im Nutzfahrzeuggeschäft haben wir mit Mercedes-Benz CharterWay bereits seit 20 Jahren ein Mietgeschäft etabliert und sind damit in Deutschland Marktführer. Im Bereich Miete verfügt CharterWay über einen Fuhrpark von rund 7.000 Fahrzeugen. Gewerbekunden können über CharterWay Lkw oder Transporter aus dem Hause Daimler mieten und so beispielsweise Auftragsspitzen abfedern. Kunden können ihre Fuhrparkkapazität dank Mercedes-Benz CharterWay ohne hohe Eigeninvestitionen flexibel an die jeweilige Auftragslage anpassen.

Sind weitere Schwerpunkte in besonderen Segmenten geplant?

Franz Reiner: Wir überdenken ständig, wie wir unser Geschäft strategisch weiterentwickeln können. Sobald Themen marktreif sind, gehen wir damit in die Kommunikation.

Was hebt Mercedes-Benz Rent – jenseits der Modellpalette – von anderen Autovermietungen ab?

Franz Reiner: Mercedes-Benz Rent funktioniert nicht nur als Mietgeschäft, um Kundenbedürfnisse abzudecken. Wir wollen damit auch neue Kunden für die Marken Mercedes-Benz und smart gewinnen. Wenn Sie so wollen, ist jede Vermietung auch eine Testfahrt. Deshalb werden wir in der Regel einen Modellmix von attraktiven und neuen Fahrzeugen anbieten, die meist über Sonderausstattungen verfügen, die erheblich von den herkömmlichen Autovermietfahrzeugen abweichen.

Wie viele Mitarbeiter sind inzwischen in der Autovermietung tätig?

Franz Reiner: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Mitarbeiterzahlen einzelner Geschäftsbereiche generell nicht nennen.

Derzeit gibt es ja neben den Niederlassungsstandorten auch einen Standort am Berliner Hoppegarten – ist eine weitere Expansion mit neuen Standorten – unabhängig von den Händlerniederlassungen – geplant?

Franz Reiner: Aktuell wird in 21 deutschen Niederlassungen die Vermietung angeboten, die restlichen Niederlassungen von Mercedes-Benz werden im Jahresverlauf folgen. Zudem haben auch andere Mercedes-Benz Vertriebspartner bereits Interesse an Mercedes-Benz Rent bekundet.

Gibt es unabhängig davon andere konkrete Schritte, die Sie für die Zukunft planen?

Franz Reiner: Es gibt viele Ideen, wie Mercedes-Benz Rent weiterentwickelt werden kann. Denken Sie nur an Online-Reservierungen von Wunschfahrzeugen, Bring- und Holdienste oder ähnliche Services. Es ist jetzt aber noch zu früh, um konkrete Schritte zu nennen.

Was plant Mercedes-Benz Rent international?

Franz Reiner: Wir sind derzeit mit Mercedes-Benz Rent in fünf europäischen Ländern am Start. Wir planen natürlich, in diesen Ländern in die Fläche und auch in weitere Länder zu gehen.
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