Die Generation Y: Lieblingsfarbe Grün

Das Verhältnis der jüngeren Generation zum Auto ist auf den ersten Blick ein reichlich unemotionales, getreu dem Motto: Hauptsache, es fährt. Daneben spielt Intermodalität für die Jüngeren eine noch größere Rolle als für den Durchschnitt. Mit welchen Strategien lässt sich der junge Markt erschließen?

Immer weniger Twens (Abk. für „Twenties“: Junge Menschen im Lebensalter zwischen 20 und 30 Jahren) haben ein eigenes Auto, 2015 nur noch ein Drittel von ihnen, während zur Jahrtausendwende noch jeder zweite eines besaß. Das hat das Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel herausgefunden und prognostiziert. Diese Information könnte Autovermieter erst einmal freuen, denn was man nicht hat, muss man leihen oder mieten. Doch so einfach ist die Rechnung nicht.

Jüngere Menschen verzichten neben dem Aspekt des gesunkenen Status eines Autos heute bewusst auf ein eigenes Fahrzeug, weil sie längst ein anderes Mobilitätsverhalten haben. In den Ballungszentren spielen Bus, Bahn und Rad eine große Rolle, auf dem Land verbleibt man dagegen mangels Alternativen bei der eigenen Karosse. Die Herausforderung für Autovermieter besteht nun darin, der jüngeren Kundschaft eine intelligente Kombination aus Auto und alternativen Beförderungs- und Fortbewegungsmöglichkeiten anzubieten.

Autos müssen grün sein

Damit das Automobil überhaupt wieder attraktiv für die Jüngeren wird, muss es heute oftmals ökologisch korrekt sein. Citroën hat diesen Trend erkannt und in Berlin ein passendes Projekt namens Multicity Carsharing gestartet. Dabei steht eine Flotte von einhundert Elektrofahrzeugen im Berliner Stadtgebiet zur flexiblen Nutzung bereit. Die Kunden können bei Citroën nicht nur spontan und stationsungebunden kurzzeitig mieten, sondern das weitergehende Multicity System mit Kooperationspartnern wie der Deutschen Bahn AG nutzen und dadurch auf ein intermodales Verkehrssystem zugreifen.

Sich zwischendrin aufs Fahrrad schwingen

Was dabei noch fehlt, ist die Integration des Fahrrads. Seine Vorteile kennen Großstadtbewohner längst, und vor allem die jüngeren nutzen den Drahtesel häufig zur urbanen Fortbewegung. Auch das haben nicht nur die Automobilhersteller bereits erkannt und strecken die Fühler nach kompatiblen Systemen aus, die Fahrräder vermieten, um vor allem der jüngeren Generation Mobilitätslösungen anbieten zu können, die auch das Bike mit einschließen.

„Wir planen eine Kooperation mit nextbike, einem großen bundesweiten Fahrradverleih“, berichtet etwa Michael Fischer, Pressesprecher von DriveNow, dem Carsharing-Dienst von BMW und Sixt auf Anfrage von „Kraftstoff“. Am Ende können Kunden dann zum Beispiel Bahn, Fahrrad und Mietwagen kombinieren, wenn sie etwa in eine Großstadt reisen und dort verschiedene Ziele im Stadtzentrum und in weiter am Rand liegenden Stadtteilen ansteuern.

Freilich sind die Margen bei der Vermittlung von Angeboten kooperierender Transportdienstleister und in der Fahrradvermietung andere als bei der Autovermietung. Das hat zur Folge, dass mit all diesen Modellen erst einmal weniger Geld verdient wird als im klassischen Vermietgeschäft. Den Bedürfnissen der Jüngeren heute entgegen kommen, heißt aber nicht nur, sie mit wenig Gewinn unmittelbar jetzt als Kunden zu bedienen. Vielmehr gewinnen Unternehmen mit intelligenten Angeboten mit der Generation Y einen Kundenkreis, dessen Reisebudget sich ebenso wie sein Mobilitätsverhalten in der Zukunft sicherlich verändern wird.