Frauen fahren anders

Eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer zeigt, welche Autos Frauen bevorzugen. Ein Interview mit dem Gründer und Direktor des CAR – Center Automotive Research, offenbart Vermutetes aber auch Ungeahntes.

Herr Prof. Dr. Dudenhöffer, welche Autos wollen denn Frauen bei der Autovermietung finden?

Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer: Frauen wollen ganz im Gegensatz zu Männern nicht unbedingt so viele PS wie möglich. Vielmehr soll das Auto schick sein, modisch und modern. Um Frauen stärker als Kunden anzusprechen braucht es also keine größeren Karossen, zusätzliche Vans oder SUVs, sondern eher praktische, flotte, schicke Kleinwagen.

Gibt es das typische Frauenauto?

Dudenhöffer: Das gibt es tatsächlich, aber es ist nur eines: der Mini von BMW. Dieses Fahrzeug ist wirklich eine echte Erfolgsgeschichte und ein Verkaufsschlager bei Frauen. Ihr Anteil an allen Neuwagenkäufen liegt bei 50 Prozent – das ist mehr als bei jedem anderen Modell.

Der Mini ist zwar ein Kleinwagen, entspricht aber nicht unbedingt der Praktisch-Nützlich-Günstig-Logik, die Frauen ja klischeehafter Weise bei der Fahrzeugwahl an den Tag legen…

Dudenhöffer: Nein, aber der Mini verkörpert all das, was Frauen gefällt: Er ist nicht nur klein, sondern auch schick, vorzeigbar und als eigenständiger, designorientierter Kleinwagen eben etwas Besonderes.

Sportlich darf es aber auch sein, oder?

Dudenhöffer: Natürlich, Frauen lieben sportliche Autos – wenn sie elegant sind. Das ist dann gern ein Cabrio oder ein Roadster, aber eben nicht das Rennauto oder der hochgezüchtete Sportwagen mit dicken Auspuffrohren. Alfa Romeo hat etwa mit 34,5 Prozent immer noch einen beachtlichen Frauenanteil bei den Neuwagen­käufern.

Würden Sie sagen, dass es eigentlich noch nicht genügend Modelle für Frauen gibt?

Dudenhöffer: Auf jeden Fall, darin liegt ein großes Potenzial. Denn Frauen sind zwar in der Bevölkerung in der Mehrheit, kaufen aber nur zu einem Drittel Neuwagen – obwohl sie immer mehr Geld zur Verfügung haben. Im Zweifel entscheiden sie sich heute aber für den Cluburlaub oder die Mode. Passendere Modelle könnten dies ändern.

Was können die Autoindustrie und auch die Mobilitätsanbieter darüber hinaus tun, um dieses brach liegende Potenzial zu nutzen – wie überzeugen sie mehr Frauen davon, ihre finanziellen Mittel statt in Haute Couture in Fahrbares zu investieren?

Dudenhöffer: Frauen erreichen Sie nicht auf Automessen á la IAA oder auf tollen Rennstrecken. Auch die klassische Werbung mit den Modellen im Mittelpunkt funktioniert bei Frauen nicht. Männer lieben Technikdaten, Frauen interessiert das nicht. Sie wollen ein Fahrzeug eher im Zusammenhang sehen, Emotionen und Beziehungen spielen eine große Rolle. BMW hat es geschafft, die Marke Mini mit einer emotional-orientierten Kommunikation zu führen – und ist damit bei den Frauen gelandet. Emotionale Werbung mit Menschen im Mittelpunkt ist der beste Weg, um Frauen anzusprechen.

Herr Prof. Dr. Dudenhöffer, vielen Dank für das Gespräch!