Kommunizierende Fahrzeuge

Wenn Autos automatisch miteinander Daten austauschen, so steigert dies die Sicherheit und auch den Komfort.

Die automobile Zukunft bietet weit mehr als nur einen fahrbaren Untersatz auf vier Rädern. Mehr und mehr wird das Auto zur High-Tech-Schaltstelle. Ein noch junges Zauberwort in diesem Zusammenhang heißt Machine-to-Machine-Communication, kurz M2M. Mit dieser Technik könnten beispielsweise Staus fast komplett der Vergangenheit angehören, Mietwagen melden der Mietstation selbsttätig und direkt von unterwegs aus Inspektionsintervalle oder informieren die Werkstatt über Schäden. Die E-Plus Gruppe ist als Mobilfunkanbieter in diesem Bereich besonders aktiv – wie, das erklärt Kai Brasche, Leiter der M2M Business Unit bei E-Plus.

Herr Brasche, was genau versteht man unter M2M-Communication?

Kai Brasche: M2M-Communication ist der automatisierte Informationsaustausch zwischen Endgeräten wie Maschinen, Automaten, Fahrzeugen oder Containern untereinander oder auch mit einer zentralen Leitstelle. Das klingt jetzt ziemlich kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht. Die Endgeräte nutzen dabei die heutigen Mobilfunknetze als Übertragungswege. Diese ganze Kommunikation läuft vollkommen automatisiert ab, der Nutzer selbst ist daran nicht direkt beteiligt – er bedient lediglich manche der kommunizierenden Endgeräte, wie zum Beispiel ein Automobil oder einen Automaten. Hauptgründe für den Einsatz von M2M-Technik sind insbesondere die Vereinfachung und Optimierung von Prozessen, Kosteneinsparung, Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen oder auch die Umsetzung und Einhaltung gesetzlicher Anforderungen. Ein deutschlandweit etablierter Einsatz der M2M-Technik ist beispielsweise die automatische Erfassung der nationalen Lkw-Maut, hier findet ein Dialog zwischen Trucks und Mautbrücken sowie den zentralen Rechensystemen von TollCollect statt.

Ganz konkret: Was wäre eine M2M-Anwendung für die Autobranche?

Brasche: Da ist vieles denkbar. Grundsätzlich gilt: Das Autofahren wird durch den Einsatz von M2M effizienter, sicherer und komfortabler. Die EU-Kommission will zum Beispiel bis zum Jahr 2015 das eCall-System einführen, das automatisch bei Unfällen Notrufe aus den Fahrzeugen absetzt. Es wären aber auch eher serviceorientierte Anwendungen denkbar, etwa für Autofahrer, die einen Wartungsvertrag mit einer Werkstatt haben – da könnte das Auto von sich aus melden, wenn beim nächsten Intervall Verschleißteile ausgetauscht werden müssten...

Ein weiterer Anwendungsbereich wäre mit Sicherheit auch die Steuerung des Verkehrsflusses, oder?

Brasche: Das ist ein ganz spannendes Thema – und ich bin mir sicher, dass das schon bald umsetzbar sein wird. Die Fahrzeuge der Zukunft werden über M2M miteinander und mit einer zentralen Leitstelle vernetzt sein. Daraus lässt sich beispielsweise punktgenau ablesen, wo sich der Verkehr gerade staut, bereits steht oder auch einfach nur schon sehr viel los ist. Mit intelligenten, angebundenen Assistenzsystemen könnten Fahrzeuge rechtzeitig auf Ausweichrouten geschickt werden – und wenn sich alle Fahrer an diese Empfehlungen halten, ließen sich Staus fast gänzlich verhindern.

E-Plus entwickelt gerade verschiedene M2M-Anwendungen – was zum Beispiel?

Brasche: Auch wir sind im Umfeld Transport und Logistik aktiv, wir bieten schon jetzt eine Anwendung im Bereich Ortung und Flottensteuerung an. Das ist vor allem für Vermieter, Logistikunternehmen oder auch für Zustelldienste interessant – es geht da um klassisches Flotten- und Ordermanagement, was heißt: Wo genau sind meine Fahrzeuge, welche Wege legen sie zurück und auf welche Weise lässt sich das vielleicht noch effizienter gestalten. Mit M2M wäre es möglich, Routen in Echtzeit zu analysieren und zu beeinflussen, falls etwa ein Außendienstler schnell seine ersten Termine abgearbeitet hat und andere Kollegen entlasten könnte.

Sind M2M-Anwendungen derzeit schon wirtschaftlich darstellbar?

Brasche: Vor allem für Firmenkunden sind M2M-Lösungen schon jetzt ökonomisch nicht nur tragbar, sondern auch sinnvoll. Die Kosten für derartige Anwendungen haben aktuell ein sehr niedriges, stabiles Preisniveau erreicht. Die Kosten für die Übertragung von Daten übers Mobilfunknetz spielen bei einer Kostenbetrachtung in diesem Zusammenhang die kleinste Rolle.

Gerade in Deutschland ist Datenschutz ein heikles Thema. Wie sicher ist M2M?

Brasche: Wir verwenden für M2M keine klassischen Handydaten, sondern anonymisierte Mobilfunkdaten von Geräten, die gar nicht für Sprachübertragung, SMS oder andere private Kommunikation verwendet werden. Die fahrzeugbezogenen Daten wie Geschwindigkeit, Posi­tion, Anzahl der Fahrgäste, Art des Fahrzeugs, die für M2M verwendet werden, werden durch entsprechende Hard- und Software in anonymisierter Form übermittelt und sind daher vor nicht-autorisiertem Zugriff geschützt. So sind keine Rückschlüsse auf konkrete Fahrer, Fahrzeuge und Routen möglich. Ebenso wenig lassen sich gefälschte Informationen in die Fahrzeuge selbst senden.

Also muss wohl auch niemand Angst vor dem gläsernen Auto haben?

Brasche: Nein, niemand muss Angst davor haben überwacht zu werden. Andererseits ist die Technik beispielsweise durchaus in der Lage, Routen von Fahrzeugen aufzuzeichnen. Das geht aber nur, wenn der Nutzer dieser speziellen Datenerfassung auch zustimmt. Es gibt Anwendungsbereiche, etwa im Bereich Logistik, da will man ja gerade wissen, wo sich die Fahrzeuge aufhalten und wohin sie fahren – Zustimmung der Fahrzeugführer vorausgesetzt. Kein Außendienstler beispielsweise darf und kann über M2M-Systeme gegen seinen Willen technisch „überwacht“ werden.

Was nutzt M2M speziell im Bereich der Kurzzeitmiete bzw. des Carsharings?

Brasche: SIM-Karten für M2M-Anwendungen erlauben es den Geräten, ständig online zu sein. Sie können also permanent mit anderen M2M-Geräten Daten austauschen. So lässt sich etwa in Echtzeit das angemietete Fahrzeug bezahlen, indem beim Abschließen mit der Kundenkarte direkt der Kilometerstand an die Rechnungsstelle des Vermieters weitergeleitet wird. Auch alle anderen Daten aus dem Auto, wie Benzinverbrauch, gefahrene Kilometer, gefahrene Strecke, können für Vermieter wichtig sein – oder bilden sogar die Grundlage für ganz neue Geschäfts- und Preismodelle zugunsten der Verbraucher.