Autos soll man hören

Am Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH entwickeln Forscher den automobilen Klang der Zukunft.

Der satte Klang eines Sportwagens schon beim Anlassen könnte bald Geschichte sein. Wenn auf den Straßen bald mehr und mehr Elektro- und Hybridfahrzeuge unterwegs sind, geht damit auch der seit Generationen bekannte Klang individueller Mobilität verloren. Gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten bis 20 Stundenkilometer geben Autos mit elektrischen Antrieben nämlich oft nur leise oder auch gar keine eigenen Fahrgeräusche mehr von sich. Deshalb sollen sie fortan künstliche Geräusche bekommen.

Sven Ruschmeyer vom Geschäftsbereich Akustik des Instituts für Kraftfahrzeuge an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen forscht und entwickelt zusammen mit seinen Kollegen in diesem Bereich. Dass auch Elektrofahrzeuge im Stadtverkehr Geräusche von sich geben sollen, hat mehrere Gründe, erläutert der Wissenschaftler. Zum einen wegen der Verkehrssicherheit. „Wir verlassen uns aus der Gewohnheit heute darauf, dass man ein Auto auch kommen hört“, sagt er. So war das bislang auch.

Gerade für sehbehinderte, ältere Menschen und Kinder seien Elektrofahrzeuge deshalb eine Gefahrenquelle, die es zu minimieren gelte. Deutschland erarbeitet deshalb derzeit federführend für die Vereinten Nationen eine Richtlinie, wie das Geräuschverhalten von Elektroautos gestaltet werden soll. Elektroautos sollen dabei nicht lauter sein als die mit Verbrennungsmotor, zudem soll für jedermann hörbar sein, ob das Fahrzeug bremst, beschleunigt oder sein Tempo hält.

Modell und Klang müssen passen

„Nicht erlaubt sind Geräusche, die an Sirenen, Alarmanlagen, Melodien oder Tiergeräusche erinnern“, erklärt Ruschmeyer. Außerdem könne es dabei nicht darum gehen, einfach nur die Geräusche von Verbrennungsmotoren zu kopieren. „Eine Mittelklasselimousine mit Elektroantrieb kann nicht klingen wie ein Sportwagen, das passt nicht zusammen“, sagt der Diplom-Ingenieur von der RWTH. Er und seine Kollegen, sowie insbesondere die Entwicklungsabteilungen der Auto-konzerne arbeiten derzeit an einem ganz eigenen „E-Auto-Klang“.

Es geht um nichts weniger als den Sound einer neuen Fahrzeug-Generation. Damit der authentisch klingt, müsse man die Geräusche der Elektromotoren mit einbeziehen, sagt Ruschmeyer. Das sind unter anderem die hochfrequenten Geräusche, die – für sich allein betrachtet – im Umgebungslärm aber schnell untergehen können. „Man braucht zusätzliche Geräuschmodulationen, die die Kraft eines Fahrzeugs klanglich untermauern“, erklärt er. Dabei gehe es nicht um einfach synthetisch-erzeugte, dröhnende Auspuffrohre, „sondern vielmehr um Emotionen und die Akzeptanz einer neuen Fahrzeuggeräuschkulisse“. Und natürlich um die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer – und der Fahrer selbst. Denn man hört die Elektrofahrzeuge nicht nur als Außenstehender schlecht, auch innendrin ist es ziemlich leise. „Das ist auch für den Fahrer mitunter sehr gewöhnungsbedürftig, denn wir hören in einem Auto mit Verbrennungsmotor, auch ohne ständig auf das Tachometer zu schauen wie schnell wir ungefähr sind“, sagt Ruschmeyer. Das fehlt bei den meisten E-Autos noch ebenso wie das akustische Feedback beim Beschleunigen.

Keine fahrenden Staubsauger

Wie genau die Autos der Zukunft klingen werden, das weiß auch Sven Ruschmeyer nicht. Das ist ein Entwicklungsprozess, in dem es natürlich auch auf Geschmäcker, Markenstrategien und letztlich auch auf die technische Umsetzbarkeit ankommt. „Elektroautos werden aber sicher nicht wie Staubsauger oder Flugzeugturbinen dröhnen“, ist er sich sicher. „Und ein Kleinwagen wird auch künftig anders klingen als ein Sportcoupé“, sagt er.