Ist der Hybrid schon bald Geschichte?

Meinungen zur Zukunft des Kombi-Antriebs aus Verbrennungs- und Elektromotor gehen auseinander.

Der Toyota Prius gilt als Vorzeigeauto, wenn es um die Hybrid-Technik geht. Im Stadtverkehr fährt er leise und emissionsfrei mit Strom, über Land kommt der Benzinmotor zum Einsatz, beim Bremsen wird die überschüssige Energie in den Batterien gespeichert. Umweltfreundlich, keine Frage. Elektro- und Verbrennungsmotor in einem Auto, das bedeutet aber auch: mehr Technik, mehr Fehlerquellen, mehr Gewicht. Ist der Hybrid wirklich die automobile Zukunft? Oder Auslaufmodell?

Wenn es nach dem Automobilzulieferer Siemens VDO geht, ist er ein reiner Zwischenschritt auf dem Weg zum reinen Elektroantrieb. In 15 Jahren, so sagt der Zulieferer, haben Autos gar keine Motoren mehr unter der Haube und schon gar keinen klassischen Antriebsstrang. Siemens VDO arbeitet an einem Konzept namens eCorner, das die Basis für die so genannten by-wire-Fahrzeuge bilden soll. Im Klartext: In jedem der vier Räder sitzt ein autarker Elektroantrieb samt Lenkung und Aufhängung.

Natürlich arbeitet Siemens VDO derzeit auch noch an der Optimierung des Verbrennungsmotors und der Hybridtechnik, die Zukunft aber gehöre der Radnabentechnik, wie sie in weniger komplexer Form auch schon seit Jahren bei Fahrrädern mit Elektroantrieb genutzt werden. Jeder der Motoren treibt das Fahrzeug direkt im Rad an, eine aufwändige hydraulische Lenkung wird nicht mehr benötigt, weil jedes Rad selbst einen individuellen Lenkwinkel einschlagen kann. Elektronik ersetzt also Mechanik.

Weitere Möglichkeit: ein „Range Extender“

Während die Anhänger solcher (noch) futuristisch anmutender Antriebe den Hybrid beinahe schon als Auslaufmodell sehen, gilt er andernorts noch als wichtige mittelfristige Lösung. Volkswagen etwa setzt in den nächsten zehn Jahren laut Konzernchef Martin Winterkorn „voll“ auf den so genannten Plug-in-Hybrid, also ein Hybrid-Auto, das über mehr Akkukapazitäten als ein normaler Hybrid verfügt und zusätzlich an der Steckdose geladen werden kann, um die elektrische Reichweite zu vergrößern.

Reine Elektroautos, so der VW-Boss, seien wegen der aktuell verfügbaren Akku-Technik auf Basis von Lithium-Ionen dem Plug-in-Hybrid klar im Nachteil. Auf Dauer seien diese Akkus nicht leistungsfähig genug, deshalb wolle Volkswagen alle Modelle bis hin zum Kleinstwagen mit der Plug-in-Technologie anbieten. Diese ermögliche 50 bis 60 Kilometer elektrische Fahrleistung und dennoch die Flexibilität eines Verbrennungsmotors. Diese Technik solle bei allen Marken des VW-Konzerns genutzt werden.

Eine andere Lösung um die Reichweite von Elektroautos zu erhöhen, ohne Batteriekapazitäten und damit ihr Gewicht in unsinnige und unwirtschaftliche Größenordnungen zu treiben sind so genannte „Range Extender“. Das sind kleine Verbrennungsmotoren, die bei Bedarf über einen Generator Strom für den Elektromotor erzeugen. Für VW-Konzernchef Winterkorn macht diese Technik vor allem bei Kleinwagen Sinn. Ob sich der Hybrid wirklich dauerhaft hält, weiß niemand. Nur die Zukunft.