Im Osten viel Neues

Wer zur Fußball-EM nach Polen und in die Ukraine reist, muss einiges beachten – auch beim Auto Mieten.

Vom 8. Juni bis 8. Juli rollt in diesem Jahr der Ball in Polen und der Ukraine. Die Fußball-Europameisterschaft findet zum ersten Mal in zwei Ländern des ehemaligen Ostblocks statt, die Gastgeber freuen sich auf die Besucher aus aller Welt. Die Vorfreude wird seit Monaten jedoch von kritischen Presseberichten im Ausland getrübt – unter anderem wegen des kaum vorhandenen öffentlichen Verkehrssystems. Es schlägt also die Stunde der Autovermieter.

Thomasz Gajda ist so ein polnischer Autovermieter. Er ist Geschäftsführer von Jolcar, einem mittelständischen Vermieter aus dem oberschlesischen Kattowitz in Südpolen. Die im Jahr 1989 gegründete Firma vermietet Autos im ganzen Land – sie verfügt jedoch nur über zwei feste Stationen: Eine in der Innenstadt von Kattowitz, eine am Flughafen. Autovermietung in Polen funktioniert eben ein bisschen anders, sagt Thomasz Gajda: „Wir liefern die Autos.“

Jolcar bietet seinen Kunden alles – vom Kleinwagen bis hin zum Luxusfahrzeug. Anders als in Deutschland vermietet beinahe jeder Vermieter auch Fahrer mit den Fahrzeugen, wenn es gewünscht ist. „Wir bedienen Kunden in ganz Südpolen und auch in Warschau“, erläutert Geschäftsführer Gajda. Auch viele ausländische Kunden, bislang vor allem Geschäftsreisende aus dem übrigen Europa, buchen Fahrzeuge bei Jolcar; allerdings meist mit einem Fahrer.

Die EM ist für den Tourismus eine Chance

In der Europameisterschaft sieht Thomasz Gajda eine große Chance für sein Land: „Von der EM werden alle in Polen profitieren“, sagt er. Ob durch die große Zahl der Fußballfans aber auch der Tourismus in Polen generell angekurbelt wird, „das weiß niemand so recht, zugleich hoffen das natürlich viele“. Das gilt auch für so manchen Autovermieter, der sich während der EM das beste Geschäft seit Jahren erwartet. „Die Chancen dafür stehen auch gut“, sagt Gajda.

Denn auch wenn sich die polnische Regierung massiv um den Ausbau der Zugverbindungen und der Flughäfen gekümmert hat, wird das Umherreisen im Land alles andere als eine nette Landpartie. Zum einen ist die Zahl der Plätze in Flugzeugen und Schnellzügen begrenzt, zum anderen kommt man eben nur von Zentrum zu Zentrum. Weil aber gerade dort die benötigten Hotelbetten knapp werden, müssen viele Fußball-Fans ins Umland der Spielorte weichen.

„Dorthin kommt man aber nur mit dem Auto“, sagt Gajda. Und weil wohl kaum ein EM-Gast mit seinem Privatfahrzeug tausende Kilometer fahren möchte, bleibt eigentlich nur sich vor Ort am Bahnhof oder Flughafen einen Mietwagen zu nehmen. Fairerweise muss man jedoch sagen: Auch Autofahren ist in Polen und in der Ukraine nicht mit Westeuropa zu vergleichen (siehe Infokasten): Das Autobahnnetz ist weniger engmaschig und in keinem guten Zustand.

Vermieter rechnen vor allem mit last-minute-Anfragen

„Wir haben bislang noch nicht so viele Reservierungen für die Wochen während der EM“, sagt Thomasz Gajda. Er geht jedoch davon aus, dass diese in den kommenden Wochen stark zunehmen: „Man sollte sich so schnell wie möglich einen Mietwagen reservieren.“ Obwohl Kattowitz fern von den vier polnischen Spielstätten liegt, erwartet man bei Jolcar während der EM ausgebucht zu sein: „Wir werden unsere Flotte dann an Vermieter vor Ort vermieten.“

Wer direkt bei Jolcar bucht und sich beispielsweise das Fahrzeug nach Warschau liefern lässt, erhält mit gültiger EM-Eintrittskarte zehn Prozent Rabatt, verspricht der 32-jährige Gajda. Er erwartet für sein Unternehmen vor allem viele last-minute-Anfragen: „Da muss man dann halt Glück haben, um noch ein Fahrzeug seiner Wahl zu bekommen.“ Vor allem die Kleinwagen, auf die es Autodiebe nicht so abgesehen haben, „werden wohl als erstes ausgebucht sein“.

Auch wenn es nach Klischee klinge, sagt Thomasz Gajda: „In Polen werden nun einmal sehr viele Autos geklaut – in der Ukraine jedoch noch weit mehr.“ Während die meisten deutschen Autovermieter den Kunden keine Fahrten nach Polen erlauben, erlauben polnische Vermieter in der Regel keine Fahrten in die Ukraine. „Wer einen normalen Mietvertrag ohne zusätzliche Versicherung abschließt, darf von Polen nicht in die Ukraine fahren“, sagt Thomasz Gajda.

Vorsicht: Kein polnischer Mietwagen in der Ukraine

Eine solche Zusatzversicherung bieten zwar viele Vermieter vor allem für die Zeit während der EM an, meistens aber erst ab einer Woche Mindestmietzeit – und dann kostet sie in den günstigen Fällen ein- bis zweihundert Euro extra, wenn man sie zwei Monate vor Mietbeginn abschließt. „Das lohnt sich kaum“, so Thomasz Gajda. Er empfehle für die Reisen zwischen den Ländern das Flugzeug und je einen Mietwagen für Polen und die Ukraine anzumieten.

Bleibt die Frage, ob sich der Reiseaufwand für die EM nach Polen und in die Ukraine lohnt. Spannend ist es in jedem Fall, „aber ein Fußballfest wie die WM 2006 in Deutschland oder die EM in Österreich und der Schweiz wird es wohl nicht“; mutmaßt Gajda. Denn „die Polen sind längst nicht so fußballverrückt wie Engländer, Italiener oder Deutsche“, glaubt er: „Ich zumindest schaue mir nur die Polen-Spiele an, ich steh‘ sonst doch mehr auf Basketball.“