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Eine Branche unter Strom

Der Umweltschutz spielte bei der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt eine große Rolle. Noch konzentrieren sich die Hersteller auf spritsparende Modelle oder Hybridfahrzeuge mit Verbrennungs- und Elektromotor. Doch schon in etwa zehn Jahren, da sind sich die Experten weitgehend einig, sitzen die meisten von uns in reinen Elektroautos. Etliche Autohersteller präsentierten deshalb auf der IAA ihre elektromobilen Visionen.

Es wird zwar noch einige Zeit ins Land gehen, bis sich das Elektroauto durchgesetzt hat. Von vielen Experten wird das Jahr 2020 als Wendepunkt genannt, in der Elektromotoren erstmals Verbrennungsmotoren oder Hybridfahrzeuge bei den Neuzulassungen ablösen könnten. Doch bis dahin müssen die Hersteller noch viele Probleme lösen - das schwierigste ist hierbei wohl der Stromspeicher. Denn die heute verfügbaren Batterien sind noch zu schwer und schwach.

Die allerersten Batterieautos gibt es zwar schon, in Frankfurt suchte man sie indes vergebens, weil sich Hersteller wie etwa Mitsubishi und Nissan im Krisenjahr 2009 keinen Stand auf der Messe leisten wollten. Einige Prototypen konnten die IAA-Besucher aber dennoch bestaunen: Die Franzosen zeigten Co-Modelle ihrer fernöstlichen Partner und die Renault-Nissan-Allianz kündigte an, Ende 2010 die ersten 100 Vorserien-Elektrofahrzeuge auf die Straße zu schicken.

Stromkonzerne erstmals auf der IAA präsent

Aber nicht bloß die Autohersteller und Zulieferer rüsten auf - auch die Stromkonzerne. Denn die wittern mit dem Umstieg von Benzin und Diesel auf Strom als Kraftstoff die Chance, auf zusätzlichen Umsatz und Gewinn. Die Stromkonzern RWE und E.ON leisteten sich nicht ohne Grund erstmals eigene Stände auf der IAA. Sollten 2020 hunderttausende E-Mobile durch die Republik flitzen, winken den Strom-Multis Mehreinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.
RWE und Renault unterzeichneten während der Autoschau ein Abkommen zur Förderung der emissionsfreien Mobilität in Deutschland. Ziel dieser Vereinbarung ist es, Elektroautos für die deutschen Kunden als attraktive Alternative zu etablieren und ein bundesweit dichtes Netz an Stromtankstellen aufzubauen. Das Abkommen mit RWE stelle für die Renault-Nissan-Allianz einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur emissionsfreien Mobilität an, hieß es auf der IAA. Renault wird nach eigenen Angaben ab 2011 drei verschiedene Elektroautos bauen und RWE soll die Ladestationen dazu liefern. Die Elektrowagen sollen unter dem Strich billiger sein als konventionelle Autos, betonte Renault-Chef Carlos Ghosn. Und RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann fügte hinzu: "Ziel ist es, ein attraktives Paket aus Elektrofahrzeug, Ökostrom und Schnellladestationen anzubieten." Denn Elektroautos mit Kohlestrom wären Öko-Unsinn.

RWE will 2016 flächendeckendes Ladestellennetz

Bis 2016 will RWE ein flächendeckendes Netz an Ladestationen anbieten - zumindest in den Ballungsräumen. Denn die nahe Zukunft elektrischer Autos liegt ohnehin im innerstädtischen Verkehr mit Entfernungen von maximal 40 Kilometern und kleinen Fahrzeugen. Im Jahr 2020 rechnet RWE mit 2,5 Millionen Elektroautos in Deutschland. "Strom jederzeit und überall zu laden, soll so einfach werden wie mobil telefonieren", ist aus der Konzernzentrale zu hören.
Damit es tatsächlich so kommt, müssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an einem Strang ziehen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) regten in einem gemeinsamen Positionspapier beispielsweise die Bildung einer gemeinsamen Plattform an, um die Entwicklung von Elektroautos und Batterietechnik voranzutreiben.

Modellprojekt Elektromobilität

smartMit dem Modellprojekt Elektromobilität will die Bundesregierung die Entwicklung sowie den Ausbau elektrischer Fortbewegung fördern. Acht Modellregionen bundesweit bekommen vom Bund insgesamt 115 Millionen Euro, um die Elektromobilität in den vorhandenen Verkehr zu integrieren, die Infrastruktur sowie Fahrzeuge umzurüsten. Im Rhein-Main-Gebiet, einer der Modellregionen, sollen etwa Stromtankstellen entstehen, Elektroroller für den Weg zum S-Bahnhof angeboten und Linienbusse für den Batteriebetrieb umgerüstet werden.

[jhs]